Marco A hat folgendes geschrieben:
@ scoopexx:
Gebe dir grundsätzlich recht. Aber das ist (von meiner Seite aus) so nicht gemeint gewesen.
Sicherlich wird die Grafik immer realistischer und die Darstellung des N64 vor zehn Jahren war DEUTLICH schlechter. - Nur dies ist die Sicht aus HEUTIGER ZEIT!
Mitte der 90ziger hat man "Turok: DH" in den Himmel gelobt aufgrund der realistischen Grafik und die Prüfstellen haben auf der anderen Seite schlecht von dem Spiel gesprochen, weil es die Gewalt so lebensecht darstellte. - Dennoch sind die Kids (zu denen ich dann damals auch gehörte) nicht mordend durch die Schulen gelaufen.
Mit ein Auslöser für die extreme Gewaltbereitschaft der heutigen Jugend ist sicherlich auch der Aspekt der gewalttätigen Videospiele, aber es gab SCHON IMMER Videospiele die jugendgefährdend waren.
Klar, aber ich glaube, da muss man unterscheiden. Wir können sicher alle behaupten, dass Videospiele
bewusst keinen Einfluss auf uns haben. Wenn uns Spiele beeinflussen, dann unbewusst - und das imo ganz sicher, weil man ohne Spiele anderen Reizen ausgesetzt ist, sei es nun, weil man die Zeit zu Hause auf dem Sofa vor dem Fernseher verbringt oder die selbe Zeit eben draußen mit Freunden oder was auch immer. Spiele verändern uns also durch die Reize, die sie an uns senden, so oder so. Es ist nur die Frage, ob zum Neutralen einfach in eine andere Richtung oder zum Schlechten hin.
Ich meine, früher haben sich die Leute vor Frankensein und Dracula gegruselt, aber diese Filme haben sicher ein ganz anderes Aggressivitätspotential, als heutige Filme. Die Spiele sind heute nunmal de facto brutaler, was du ja auch selbst sagst und mindestens durch den höheren Grad an Realismus verschuldet ist - vielleicht auch durch härter orientierte Käuferpräferenzen.
Die bewusste Wahrnehmung mag die gleiche sein, weil die Leute heute abgehärteter sind, als damals bei einem Mortal Kombat 3, aber unterbewusst ist man heute heftigeren Reizen ausgesetzt, als bei einem Turok. Nicht nur grafisch, auch musikalisch werden Spiele heute aufgebauscht und der ein oder andere hat sicher schonmal einen virtuellen killing spree gehabt, in dem er bei The Darkness oder Gears einfach mal ein paar Gegnern richtig Bretter gegeben hat und sich dabei nicht unbedingt schlechter gefühlt hat. Das ist nix Schlimmes, weil eine gefestigte Person das nicht an sein Verhaltensmuster durchdringen lässt und es ja nur Pixelblut ist, aber gut produzierte Spiele forcieren solche Gefühle und es gibt da draußen nunmal offensichtlich Leute, die nicht so emotional gefestigt sind, wie die meisten anderen.
Womit wir, wie ich finde, zum nächsten Punkt kommen: Den Prüfstellen.
Damit ist bei mir nicht nur die USK oder andere große Einrichtungen gemeint, nein, das fängt schon bei der Kassiererin im Elektromarkt an. - Dazu vielleicht mal eine kleine Geschichte:
Der Freund meiner Schwester hat sich nun auch eine PS3 zugelegt. Also sind wir vor ein paar Tagen zu einem großen Elektromarkt gegangen und haben ihm unter anderem auch "Metal Gear Solid 4" besorgt. - Davon mal abgesehen das fast jedes Game (egal für welche Plattform) eine dicke, rote "Dieses-Spiel-ist-für-Jugendliche-unter-18-.. trug, war ich doch überrascht wieviel Wert mittlerweile auf diese Sicherheitsmaßnahmen gelegt werden (Ich kaufe so gut wie nie Games in Elektromärkten).
An der Kasse angekommen wurde ich aber eines besseren belehrt: Nun ist der Freund meiner Schwester zwar über 18 Jahre alt, aber der große, rote Hinweis "Bitte bei diesem Artikel das Alter des Käufers prüfen!" der auf dem Bildschirm der Kasse aufpoppte wurde von der Verkäuferin einwach ignoriert...
Ich will nur ausdrücken das eine Eindämmung von Gewalt (auf welcher Ebene auch immer) nur dann Erfolg hat, wenn möglichst viele (am besten natürlich alle) Beteiligten das selbe Ziel verfolgen und sich auch dementsprechen mit der Materie auskennen.
Dies ist aber (in diesem Fall in der Welt der Videospiele) absolut nicht gegeben, da Ausdrücke wie "Killer-Spiele" von Menschen geschaffen wurden die sich nicht auskennen und Gegenmaßnahmen angeordnet werden, die am Thema vorbeihandeln.
Wir besiegen "Amokläufer" / gewaltbereite Jugendliche nicht indem wir nur die bösen "Killer-Spiele" beschuldigen und noch schärfere Waffengesetzte einrichten, wir Spiele verbieten die (in Relation gesehen) nicht gewaltverherrlichender sind als noch vor 15 jahren, oder wir die Altersgrenzen verschärfen.
Wie sieht es z. B. mit der Erziehung aus? Was ist mit der Filmindustrie? Warum können den Jugendlichen keine Ausbildungs und Arbeitsplätze mehr garantiert werden? Wieso haben es Jugendliche mit Migrationshintergund so schwer? - Alles Themen die im Zusammenhang mit "Amokläufen" in der Versenkung verschwinden.
In diesem Sinne: Der Aspekt der "Killer-Spiele" funktioniert zurzeit und deshalb wird er einfach benutzt. - Klingt traurig und platt, ist aber leider so! - Aus meiner Sicht!
Was willst du machen, wenn es der Kassiererin am Arsch vorbei geht, ob ihr nun 18 seid oder nicht? Sie auspeitschen geht wohl schlecht. Das ist eine Komponente des Systems - es ist nunmal nicht erlaubt, schwere Strafen für Leute auszugeben, die Games oder Alk oder Zisen an U-16/18-jährige ausgeben und das ist sicher ganz gut so. Das ist aber kein Systemfehler, sondern einer der Fälle, wo der Mensch an sich nicht das Soll erfüllt. Der Kassiererin ist es nunmal kackegal, ob dein Kollege Metal Gear zockt oder nicht. Was willst du dagegen machen? Sie feuern? Das wäre auch nicht fair, oder?
Sicher, der Begriff der Killerspiele ist absolut polemisch und uns gegenüber mies. Aber er zieht nunmal. Das ist eben der Grund, warum ich es z.B. Politikern auch nicht so besonders übel nehme, dass sie diesen Begriff benutzen. Es ist nunmal ihr Job, die Leute auf ihre Seite zu ziehen. Das ist nunmal das System, ob man das nun verteufelt oder nicht, soll mal an anderer Stelle diskutiert werden.
Dass es zahlreiche andere Faktoren dazu gibt, die viel stärker auf einen Amokläufer einwirken, wie z.B. ein schwaches soziales Umfeld - ich glaube darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Aber wie ich hier wohl auch schon gesagt habe, die Frage ist eher, ob Killerspiele ein Faktor sind, der zu einem vielleicht kleinen oder vielleicht großen Teil dazu beitragen, dass es diese Amokläufe gibt. Und der Diskussion muss man sich als Gamer stellen. Wenn es so offensichtlich ist, dass Spiele gar keine Auswirkung haben, dann wird man sicher die Argumente der "Killerspiel-Hater" sprengen können, wie nen Grub Hole bei Gears.
@Silver:
Erstmal ein unverschleimtes Lob an deine Argu in dem anderen Amoklauf- oder was auch immer Thread. Du weißt schon, welchen ich meine. Ich bin da 90% mit dir übereinstimmend gewesen. Ich finde es gut, wenn Leute dagegen argumentieren, wenn einige gleich die Todesstrafe wieder einführen und das 2. Mittelalter ausrufen wollen, weil wir pro Jahr 20 von den Medien gepushte, abgedrehte, Idioten haben, die mal wieder einen abgefuckten Scheiß anstellen.
Meine Argu fand ich allerdings eher weniger gewagt. Denn wo lernt man etwas über seine Mitmenschen, wenn man die großen Titel der letzten Jahre spielt. GTA, Bioshock, Resi Evil, Gears, Metal Gear, usw. Ich meine weniger zu lernen und mehr zu verdummen ist wohl kaum noch möglich. Ich hab meine Xbox schon auf englisch gestellt und hole mir, wenn nötig, die uk-Version von Spielen, damit ich auch nur irgend einen Grund habe, Gaming für mich als nur 90% stupide abzustempeln und zumindest dabei noch Englisch lerne.
Nimm mal die Art, wie du sprichst. Ich wohne seit 2 Monaten mit einem Hip Hoper zusammen, der seinen Kollegen immer hier hat und die auch aktiv Musik machen. Klar hat man mit denen viel zu tun und plötzlich verändert sich die Art zu sprechen. Ich habe vorher in bestimmten Situationen Wörter wie "entspannen" benutzt, jetzt kommt bei mir in der selben Situation ein "chillen" raus. Das ist nix, was bewusst passiert, sondern unbewusst. Ebenso verhält es sich mit Games. Man wird nunmal unbewusst beeinflusst und das, wenn du dir mal den Inhalt von Spielen anschaust, nicht unbedingt zum Positiven.
ist das fakt? kann ich mir kaum vorstellen... wer sagt das?
ich hätte z.b. eine ganze menge leute weniger im bekanntenkreis, wenn ich diejenigen abziehe, die ich durchs zocken kennengelernt habe.
und wenn spiele nicht schlau machen- machen sie dann dumm?
ich halte das jedenfalls für ziemlichen blödsinn, und kann mir kaum vorstellen dass es beweise für solche theorien gibt.
ausnahmen sind natürlich extrem-zocker (meist auch "wow-freaks" genannt), die ihre wohnung nur noch zum arbeiten verlassen, wenn überhaupt.
Wer weiß, vielleicht hättest du deutlich mehr Leute im Bekanntenkreis, wenn du weniger oder gar nicht zocken würdest. Und vielleicht auch bessere Freunde, weil man viele Leute beim Zocken online kennen lernt und irl nie sieht, sich dann aber trotzdem irgendwann einbildet, dass es Freunde sind. Du würdest sicher nicht als Substitut für Spielen bei dir zu Hause auf dem Sofa sitzen und Däumchen drehen, sondern vielleicht mal häufiger rausgehen und ob dus glaubst oder nicht, da lernt man auch viele Leute kennen.

Vielleicht bist du ja auch einer der jenigen, auf die Gaming positive Auswirkung hatte. Will ich gar nicht ausschließen, dass es sowas gibt, es geht hier auch nicht um mich oder dich, sondern um die Wirkung von Gaming auf den Durchschnittsmenschen.
Wie viel Sozialkompetenz man bekommen kann, wenn man online über Mic zockt, möchte ich mir echt nicht ausmalen. Zuhause auf dem Sofa mit ein paar anderen offline zocken fördert wohl die soziale Entwicklung auch etwas weniger, als sich draußen im Biergarten oder beim Sport zu treffen. Ich zocke jetzt seit 15 Jahren und sehe mich als Realist. Ich bilde mir nicht ein, dass Spielen in diesen Jahren einen positiven Einfluss auf meinen IQ oder meine Kompetenz auch nur in irgendeinem Sinne gehabt haben, auch wenn ich eine Menge Spaß dabei hatte. Vielleicht Fremdsprachen mal ausgenommen, die man wirklich teils sehr gut über Spiele trainieren kann - wenn man es denn auch will und tut. Heutige Spiele sind eben in 99,99% aller Fälle beinahe jämmerliche Zerstreuung, mehr nicht. Wenn einer meint, dass er zwischen Gears, Pokémon und Mario was übers wirkliche Leben lernt, dann ist das meiner Meinung nach ein ziemlicher Träumer.