Hier eine meiner Kronjuwelen, ein Spiel, das wie kaum eines mein Herz gewonnen hat und zwar
Saints Row 2.
Normalerweise übersehe ich keine Perlen, aber dieses hier war eine Überraschung, weil es eine durchschnittliche Werrtung hatte, die es unter meine Aufmerksamkeitsschwelle brachte. Ein Kollege spamte mich über den Chat über das Spiel voll und als ich es zufällig als Schnäppchen auf dem Grabbeltisch fand, habe ich zugeschlagen. Der führte mich dann im Coop ein und in den ersten Stunden war die Grafik ein kleiner Kulturschock, bis plötzlich der Knoten aufging.
Seither habe ich es vor und zurück gezockt, mit kompletionistischen Durchgängen von über 50 Stunden, habe schwere Erfolge gejagt, wie etwa die der Stunts in der Luft und auf dem Boden. Schwere Minispiele habe ich geübt, bis ich sie konnte. Das Spiel machte mich schlicht und ergreifend glücklich, habe es sogar für PC nachgekauft, obwohl es ein so schlechter Port ist, dass man dabei ausser AA kaum Vorteile hat. Das war für mich der ultimative GTA-Killer, da es kaum einen Aspekt gibt, indem es nicht um vieles besser ist, auch im Humor.
Setting: Man erwacht in einer Strafanstalt und muss nach der Charakter-Erstellung und einer Flucht wieder die Kontrolle über die alte Gang The Third Street Saints übernehmen und dabei die anderen drei Gangs mit jeweils anderer Kultur zurückdrängen. Dies tut man in der offenen und ausreichend grossen Stadt Stilwater, die man von Beginn weg frei erkunden kann. Wenn man Missionen macht, werden Teile der Stadt von den Saints übernommen, die auch Erträge abwerfen.
Es gibt mehrere Story-Stränge, die man nach Belieben machen kann, während neue Missionen freigeschaltet werden. Um Story-Missionen machen zu können, muss man Respekt haben, den man durch das Erledigen von Minispielen, Stunts und beosnders lustige Hinrichtungsarten wie dem Eierschuss kriegt. Man kann schneller Respekt erhalten, wenn man Stil hat, der durch das Kaufen von Klamotten und teuren Fahrzeugen verbessert wird.
Es wurde zwischendurch bemängelt, dass man Minispiele machen muss, um die Hauptmission machen zu können. Aber diese Minispiele erhöhen den Respekt schnell und ausserdem machen sie tatsächlich Spass und sind eine Herausforderung, im Gegensatz zu denen in GTA 4 und 5, wo man alles abseits der Missionen rauchen kann. Okay, diese Minispiele sind teilweise in der deutschen Version gestrichen, da sie meist nicht politisch korrekt sind: Mit einem brennenden Buggy durch die Fussgängerzone bolzen, Nutten für ein Bordell abschleppen, als Leibwächter Stalker in die Turbinen oder vor die Holzfäller werfen oder Drogenkurriere vor der Polizei schützen. Vor allem letzeres ist auf Hardcore eine tüchtige Herausforderung und es ist Saints Row, wie es leibt und lebt: man wird von schweren Geländewagen im Rudel verfolgt, die einem anbumsen, alle paar Meter explodiert die Karre, man muss sich neue aus dem Verkehr klauen, während man von einer ganzen Gang eingekesselt ist, während dessen röhrt der geilste Heavy Metal aus dem Radio, einfach wunderbar.
Charakter-Erstellung: Eine der besten und umfangreichsten überhaupt, auch weil es keine künstliche Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein macht, man kann einfach alles kombinieren, man kann auch fett oder dürr sein, ganz nach Belieben. Neben den umfangreichen Gesichtsreglern gibt es einen Haufen von Haaren. Man kann aber auch Lob- und Spottgesten definieren und aus je drei weiblichen und männlichen Stimmen auswählen. Da ich sonst ausreichend Muskelprotze zocken kann, wählte ich meist einen weiblichen Charakter und zwar mit der wunderbaren weiblichen Stimme 3, die die Mass-Effect-Hale alt da stehen lässt. Es gab einen Dialog über Funk zwischen meinem Char und einem NPC in einer DLC-Mission, der für mich der beste aller Zeiten war, es kam mir eher vor, wie ein Engelsgesang, statt wie ein schnöder Dialog, ich war jedes Mal fasziniert.
Begleiter: Man kann bis zu die Begleiter der Saints rekrutieren, die man in besetzten Distrikten findet und diese klauen sogar selbstständig Karren, wenn sie keinen Platz im eigenen findet. Sie wechseln sogar auf Nahkampfwaffen, wenn man es selbst tut, was sich gut anfühlt. Begleiter kommentieren Dinge mit abwechslungsreichen Sprüchen, die sie mich einfach ins Herz schliessen liessen. Sie sahen seltsam aus, waren eher dümmliche Mitstreiter, aber für mich der Prototyp eines tollen Begleiters. Ich habe gar oft Tode riskiert, um sie zu retten, weil ich sie tatsächlich ernster nahm, als etwa die gemoddete Ultra-High-Res-Lydia in Himmelsrand. Ich stand sogar oft einfach grinsend daneben und liess sie machen, wenn sie Gegner verkloppten und verspotteten.
Steuerung: Sieht von aussen fast wie die von GTA aus, ist aber um Längen exakter und geschmeidiger, auch etwa die hervorragende Helisteuerung. Alles ist hervorragend animiert, jede Waffen hat spezielle und witzige Nahkampf-Animationen(Eierschalg, man kann Gegner als Schild nehmen. Was nebenbei lustig ist, denn als weiblicher Char wird man sogar ab und zu sexuell belästigt. Man kann diese Schilde natürlich auch werfen und je höher, je besser die Punktzahl. Man kann aus sämtlichen Fahrzeugen schiessen und Begleiter steigen mit ein und ballern ebenfalls. Die Steuern in den Fahrzeugen wid von vielen als arcadig abgewertet, sie ist aber auf jeden Fall zugänglicher als die in GTA4 und hervorragend für das chaotische Spielprinzipg geeignet. Man kann aus Fahrzeugen treffen und sogar gegen hinten, auch wegen der tollen Erfindung des zuschaltbaren Automats.
Klamotten: Eine der umfangreichsten mir bekannten Klamottensysteme, vor allem, da man einzelne Teile kombinieren, in Schichten übereinander tragen und Farben auswählen kann. Getragene Klamotten kann man komfortabel als Outfit abspeichern und es anschliessend wieder holen, was dazu führte, dass ich mein Outfit sogar an die Missionen anpasste und in jedem Druchgang einen anderen stil hatte. War zwar sehr nieder aufgelöst auf der XBox, aber ich fand meinen Charakter einfach nur scharf, den ich auch Immelda hätte taufen können, so voll wie ihr Schrank war.
Fahrzeuge: Ein umfangreiches Arsenal am Boden in der Luft und im Wasser: Helis, Flugzeuge, Bikes, Monster-Trucks, Nutzfahrzeuge, Panzer, Sportboliden und Derby-Karren, jede Karre kann man nach Belieben einfärben und tunen und in Garagen abstellen. Habe jeweils geplant Karren geklaut, sie alle in einem Stil eingefärbt und die Garage bis zum Anschlag vollgefüllt.
Waffen: Dieser werden mit der Zeit freigeschaltet, man kann je eine Waffe aller Klassen tragen, auch Granaten und Nahkmapfwaffen. Es gibt zwar nicht unbedingt eine ausufernde Ausswahl, aber eine ausreichende. Ich kämpfte meist mit der abgesägten Schrotflinte und einem Vorschlaghammer, und in Fahrzeugen mit SMG. Eine besondere Erwähnung verdient das System, indem man mit aufgenommenen Gegenständen prügeln darf, vom Pizza-Karton über Mülleimer bis zu Parkuhren und ich machte mir oft einen besonderen Sport daraus, indem ich ganze Festungen nur mit aufgenommenen Waffen machte, was auf Hardcore nicht ganz so einfach ist.
Coop: Jede Mission und jedes Minispiel ist vollständig im Coop machbar und sind sogar speziell darauf angepasst, in den man jederzeit einsteigen kann, eine tolle Spielweise für eine Party. Manche Minispiele sind solo relativ schwer und man profitiert von Begleitern, manche Missionen sind sogar im Coop schwerer, vor allem, wenn der eine kein so guter Heli-Pilot ist.
Könnte noch mehr Details ansprechen, aber ich weiss ja, dass ich gerne zu ausufernd schreibe, worauf es keiner mehr lesen kann. Deshalb das Fazit: Saints Row 2 setzt in vielen Aspekten einen Masstab, auch wenn es auf den ersten Blick altertümlich und minimalistisch aussieht. Und genau das ist der Punkt: Hätte es besser ausgesehen, hätten noch manche Leute mehr gemerkt, was das für eine Gameplay-Perle ist, die nicht einfach nur eine Kopie von GTA ist, sondern durchaus eigene Ideen hat, die ich gerne in mehr Spielen sehen möchte. Es nimmt sich zudem selbst nie ernst und glänzt durch bösen Humor. Ich mag auch andere Spiele, aber so heiss geliebt habe ich nur noch Fallout 3 und ich zocke seit Space Invaders.
Die zwei Nachfolger nahm ich nebenbei als Schlag in die Fresse war und zwar nicht nur wegen dem Setting. Viele Masstäbe, die SR2 gesetzt hat, werden um Längen unterboten, begonnen mit dem Fahrzeug-Sound über das ausgebeinte Klamottensystem bis zur Casualisierung.
Und hier noch zwei Gameplay-Videos,die vielleicht noch jemanden gefallen könnten.