@madcell:
Du irrst. Ich hatte keinen schlechten, sondern ausgesprochen guten Tag. Darüber hinaus neige ich nicht zur Launenhaftigkeit. Wäre dem aber so, dann würde ich meine "Laune" sicher nicht hier im Forum oder ganz allgemein an Ausländern auslassen.
Deine letzten Beiträge relativieren die Dinge etwas, enthalten aber im Kern dieselben Aussagen und Anschuldigungen. Wenn man sich einige Deiner Kommentare durchliest, entsteht durchaus der Eindruck, dass der Luftraum über Deutschland voller "Jimbos" (was ist das, scopexx?

) oder tieffliegender Stukas wimmelt, deren einzige Aufgabe die Aufspürung und Bekämpfung von Ausländern ist. Denn es fällt natürlich auf, dass in diesem Zusammenhang sofort wieder Begriffe wie "NPD", "Faschos", "Neonazis" usw., usw. fallen. Das ist hierzulande eben das Problem. Und es ist ein typisch deutsches. Also echt: Ich kann diese Platte langsam nicht mehr hören.
Dass in Deutschland ein sensiblerer Umgang mit Fragen der Nation und damit indirekt auch der Ausländerthematik gepflegt wird, halte ich im Prinzip für richtig. Andere Länder, z.B. Frankreich und England, tun sich da wesentlich leichter, nur können diese Länder auch auf eine lange demokratische Tradition zurückblicken. Die Deutschen können dies nicht. Deshalb ist man hierzulande so vorsichtig (um nicht zu sagen: hysterisch), wenn es um solche Dinge geht. Ich selbst bin mehr als zwanzig Jahre nach Kriegsende geboren worden. Ich habe weder die Absicht, die Welt zu erobern, noch bestreite ich die Verbrechen des Nationalsozialismus, glaube an "Übermenschen" oder hänge faschistoidem Gedankengut hinterher. Für Leute, wie sie sich in der sogenannten "rechten Szene" bewegen, hege ich übrigens eine abgrundtiefe Abneigung.
Wenn Du meine Kommentare hier aufmerksam gelesen hast (einige haben das offenbar nicht bzw. wollen das auch gar nicht verstehen), habe ich nicht "die Ausländer", sondern die (deutsche) Ausländerpolitik der letzten Jahrzehnte für die bestehenden Zustände verantwortlich gemacht. Man könnte die Frage auch anders formulieren, etwa so: "Wieviel Zuwanderung kann ein Land vertragen?" Vor den Gefahren und Risiken einer Überfremdung oder beispielsweise des Islamismus zu warnen, hat weniger mit politischer Gesinnung zu tun, sondern ist zunächst einmal eine rein praktische Überlegung. Leider wurden diese Überlegungen hierzulande über Jahrzehnte verdrängt (man galt ja sonst sofort als "Extremist"), mit dem Ergebnis, dass mittlerweile die "echten" (Rechts-)Extremisten diese Themen besetzt haben und sich immer mehr Wähler von den demokratischen Parteien abwenden.
Richtig ist: Es gibt eine latente (teilweise sogar recht offene) Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Nur: die gibt es in anderen Ländern auch; das ist keine Erfindung von "Jimbos", "Germans" oder wie auch immer. Ich bin der Meinung, dass es den Ausländern in Deutschland so schlecht nicht geht und diese hier Rechte und Freiheiten genießen, die es so in kaum einem anderen Land gibt. Das auch von Dir immer wieder bemühte Klischee "Ich armer Ausländer", dass darauf hinaus läuft, dass die Ausländer bei uns nur für die "Drecksarbeiten" eingeteilt werden, während sich "die Deutschen" im Wohlstand aalen (das ist alter Kaffee aus den 60er und 70er Jahren und entspricht längst nicht mehr den Realitäten), ist nicht mit meinen Beobachtungen in Übereinstimmung zu bringen. Weder relativ noch absolut. (Anmerkung: Dasselbe gilt hinsichtlich des von Dir angeblich oder vermeintlich festgestellten "Rassismus/Faschismus unter den Deutschen", was so verallgemeinernd schon ein ungeheurer Vorwurf ist. Auch Dein Verweis auf unsere Berichterstatter/die Medien, dessen heutiges Personal sich größtenteils aus Alt-68ern und nicht aus Konservativen zusammensetzt - es gibt Ausnahmen, z.B. den Bayrischen Rundfunk -, stimmt vorne und hinten nicht.)
Ich arbeite in einem Unternehmen, das internationaler kaum sein könnte. Hierzu einige Fakten (bezogen auf die in Deutschland Beschäftigten): Fast die Hälfte aller Vorarbeiter/Schichtführer sind Ausländer (in der Regel Polen und Türken), knapp ein Drittel der leitenden Angestellten (z.B. Abteilungsleiter/Produktionsleiter/Laborleiter) sind Ausländer bzw. Menschen ausländischer Herkunft. Immerhin zehn Prozent haben es in Führungspositionen gebracht (ab Ebene Betriebsleiter/Geschäftsführer). Von anderen, mir bekannten Firmen höre ich Ähnliches. Mein unmittelbarer Vorgesetzter, ein Mann mit viel internationaler Erfahrung in Blue-Ships-Unternehmen, ist Spanier - und damit meine ich jetzt nicht etwa die Hunderasse.
Eben deshalb glaube ich nicht an Ungleichheiten, die sich allein aus Herkunft und Nationalität bzw. unterschiedlichen Bildungschancen ergeben. Dieser Aspekt wird m.E. jedenfalls überschätzt. Was @politicus geschrieben hat, ist in gewisser Hinsicht wohl wahr und auch für mich nachvollziehbar: Ausländer haben es als solche immer schwieriger. Allerdings liegt die Schwierigkeit bei den Ausländern zum Teil selbst. Einige wollen sich gar nicht integrieren, sondern bleiben lieber unter sich. Das haben die von mir o.g. "Aufsteiger"-Ausländer nicht getan, sie haben sich angepasst, vor allem aber hart an sich gearbeitet und die Fesseln der Isolations-"Ghettos" gesprengt. Und bei Türken z.B. ist es bis heute keine Seltenheit, dass die an sich begabte Tochter gar nicht gefördert wird, weil man als Türkin nach dort vorherrschenden Wertvorstellungen eh nur dem Mann und der Familie zu dienen, sonst aber tunlichst "die Fresse" zu halten hat. Da helfen auch keine Integrationsprogramme, wenn eine solche Denke in bestimmten Kulturkreisen bei bestimmten Ausländern vorherrscht.
Für viele Ausländer gilt IMO folglich das, was für die meisten Inländer auch gilt: Wer vorschnell an seine Grenzen stößt, der ist daran (oft) selbst schuld. Das Subjekt meines Erfolges (oder Mißerfolges) bin doch ich. Natürlich gibt es arme Ausländer; es gibt allerdings auch immer mehr arme Deutsche. Das gilt sowohl im Bezug auf den materiellen Status, als auch im Bezug auf deren Einstellung. Die Argumentation von @Travis und einiger anderer ewig-nörgelnder Zeitgenossen kommt für mich keineswegs überraschend. Denn für Leute, die so argumentieren, gibt es kein eigenes Versagen. Stets sind es "die Anderen" oder "die Umstände". Es ist ja auch wesentlich einfacher, das System, die Regierung, den Chef, die Unternehmer, die "Rechten" oder die Mainzelmännchen für alles Elend in der Welt verantwortlich zu machen - nur nicht sich selbst. Wer zu dumm, zu unfähig und/oder zu faul ist, dem bleibt ja - allein schon aus Gründen des psychologisch motivierten Selbstschutzes (man müsste ja sonst vor sich selbst die Frage beantworten, warum es nicht zu mehr gereicht hat, obwohl es bei anderen "geklappt" hat) - gar nix anderes übrig, als so zu argumentieren. Warum spricht denn keiner von Leuten, egal ob In- oder Ausländer, die mal mit einer praktischen Lehre auf "dem Bau" angefangen haben, nach Feierabend anstatt Bier zu saufen oder stundenlang vor der Glotze zu hocken, bis tief in die Nacht/manchmal bis zum frühen Morgen noch gebüffelt haben, um ihre Qualifikation zu steigern und es später selbst in eine "Chef"-Position gebracht haben? Ich kenne da so einen Fall. Gut, sehr gut sogar. Und das soll einem Ausländer hierzulande nicht möglich sein? Da sind meine ausländischen Kollegen aber aus einem anderen Holz geschnitzt, einem ganz anderen. Und sie würden eine solche Argumentation als Beleidigung empfinden, die nur von jemand kommen kann, der entweder überängstlich, selbstgefällig, über alle Maßen träge oder völlig verweichlicht ist.
Übrigens ist das eine große Gemeinsamkeit zwischen "linken Jammerlappen" und "rechten Hohl- unf Kahlköpfen": Neben der "großen Klappe", der Sprücheklopferei, dem Hang zur Provokation und zur Selbstdarstellung, ist es vor allem der Ruf nach einem starken Staat, der einem die Arbeit abnimmt, weil er die Dinge schon irgendwie regelt. Mir ist es unbegreiflich, wie man mit einer solch weinerlichen Einstellung irgendwelche Erfolge erzielen will. Bevor man das System verändern will, NS-Folklore betreibt, die Rückkehr eines "kleinen Adolf" herbeisehnt oder an (die gute, alte?) RAF erinnert (und sei es auch nur "ironisch", die Opfer der Terroristen/und deren Angehörigen werden darüber wenig lachen können), sollte man erstmal bei sich selbst einige Veränderungen vornehmen. Der Rest ergibt sich dann meistens schon von selbst. (Übrigens, @Travis: Im Gegensatz zu Dir habe ich die 70er Jahre und das Wirken der RAF erlebt. Und es gab auch da einige Sachen, die Du offenbar nicht ganz geschnallt hast.)
Allein in meinem Prüfungsjahrgang auf einem Abendgymnasium gab es zwei Ausländer (ein Italiener, eine Engländerin), die auf dem Zeugnis eine "1" vorm Komma (Notendurchschnitt) erzielten und damit auch nahezu alle NC-Fächer studieren konnten. Sofort - ohne Wartezeiten. Wohlgemerkt: die Betreffenden haben das nur "so nebenher", also neben ihrem Beruf gemacht. Die beiden vorgenannten Ausländer (wir stehen heute noch in Kontakt) haben anschließend hierzulande tatsächlich noch studiert und Karriere gemacht - und das Ganze sogar mitten in Deutschland. Im Übrigen hatten alle ne "1" vorm Komma. Natürlich nur von denen, die noch bis zur Prüfung gekommen sind; das waren nach drei Jahren nur 7 von anfangs insgesamt 23. Aber diese sieben Leute haben es geschafft. Willst Du mir jetzt allen Ernstes erzählen, dass Dir das als Vollzeit-Schüler (!) nicht möglich war, weil Du Ausländer bzw. ausländischer Abstammung bist, der Schulleiter schlechte Laune hatte, Frau Oberstudienrätin Dr. Soundso "ausländerfeindlich" war oder es an Deiner Schule womöglich (latente) Faschisten und Rassisten gab?
Dass Du Deutschland langfristig zu verlassen gedenkst, ist nicht ungewöhnlich. Das haben in den letzten Jahren schon etliche getan. Auch viele gebürtige Inländer (= Deutsche), die jetzt "Ausländer" sind.