@charlu
1. Diese Standards habe nicht ich aufgestellt. Sie sind einfach Ausdruck unserer Gesellschaft. Ich habe aber selbst genug Erfahrungen in und mit Personal Abteilungen gemacht, um ganz klar aussagen zu können, daß je höher das Ansehen der Hochschule und je breiter die Qualifikation (ohne Englisch ist nicht mal Hishi drin) desto besser die Chancen und das Geholt.
Der Mensch als solcher wird zwar auch bewertet, vor allem kommunikative Fähigkeiten werden geschätzt. Es gibt also durchaus ein kritisches Anspruchsniveau im Arbeitsmarkt. Firmen bilden zum Beispiel keine Lehrlinge aus, weil sie keine Azubi finden, die vernünftig Rechnen und Schreiben können. Ich brauche auch einen Assistenten, der großes Maß an Schulbildung mitbringt, denn ich habe nicht die Zeit Anschreiben an Kunden auf Rechtschreibung und Grammatik zu überprüfen.
2.kann ich an einem Abiturienten wesentlich mehr Ansprüche stellen als an einen Realschüler (zumindest theoretisch). Ich kann einem besser ausgebildeteten Menschen also anspruchvollere Aufgaben übertragen. Logik Madam! Genauso läuft diese Welt ab. Deshalb ist der Arzt Arzt und der Bauarbeiter Bauarbeiter und deshalb bekommen Manager soviel mehr Kohle.
3. Unsere Gesellschaft stellt immer höhere Anforderungen und in Deutschland gibt es immer weniger Personen die, diese erfüllen. Einmal wegen der negativen Geburtenraten und zum anderen, weil ich im Ausland mehr von meinem Geld behalten darf. Die Ansprüche ändern sich.
Als BEISPIEL hier die Ansprüche Aristide Briands (1887) :
Ich möchte. Dass im Unterricht die Professoren und Lehrer nicht Instruktoren, sondern Erzieher seien..., dass sie aus dem Knaben einen Mann machten, dass sie ihn nicht bloß Formeln, Rudimente lehrten, sondern dass sie ihn trotz der dummen Vorurteile in die lebendige Welt einweihten, ihn lehrten, das Leben zu lieben trotz aller Gefahren und Schmerzen, die es ihm in Aussicht stellt, dass sie ihn moralisch, intellektuell und physisch bilden könnten... Der, dessen Gehirn nicht erfüllt ist von Geheimnis und Dogma, der Mann, der klar vor sich schaut, der Mann, der die Determinante seines Denkens und Handelns dort sucht, wo es ist, in seinem Gehirn, in seinem Gewissen, dieser Mann trägt, da man von der Gottheit gesprochen hat, seine Gottheit in sich, er ist der Gott, Und wenn dieser Gott bis jetzt so oft unfähig war, gebeugt durch die Last des Lebens, so kommt das daher, weil die Lüge und Unwissenheit zu lange seinem Streben entgegengearbeitet haben. Unsere Aufgabe ist es, ihn zu befreien, aus dem einen echten Menschen, einen Bürger im wahren Sinne des Wortes zu machen
4. Das Beispiel mit den Gedichten sollte nur die sich ändernden Ansprüche darstellen und keinesfalls wertend gemeint sein. Wo Beispiel dran steht ist auch Beispiel drin, Grundkurs in einfacher deutscher Terminologie ratsam. Also runter vom Podest Pfarrerstochter!
5. Kommen wir zum Film, den ich selber nicht leiden kann, der aber zurecht als ein künsterlisch und damit gleichzeitig gesitig anspruchsvoller Film in der Presse, vom Publikum und der Kunst gewürdigt wurde. Den Anspruch den der Film an seinen Zuseher stellt ist so unterschiedlich wie Menschen nun einmal sind. Für die Studierenden einer Filmhochschule sind die Tricks die Altmeister Fellini anwendet duchaus von Interesse. So sind auch Kameraeinstellungen durchaus eine besondere Qualität eines Films und erhebe einen andere Anspruch an das Publikum. Der Laie mag damit nicht en detail etwas anfangen können. Ähnlich verhält es sich mit dem Schnitt, man stelle sich Star Wars mit einem anderen Schnitt vor. Es gibt also durchaus technische Aspekte eines Films, die ganz kritische Qualitäten ausmachen können. Bei La Strada ist Fellinis inszenieren seiner Schauspieler mittels der Kameraeinstellunge, dazu kommen die Leistungen der Schauspieler. Der Film ist bei vorhandenem Interesse für das Kontrastprogramm der menschlichen Natur zwischen Weisheit, roher Kraft und Unschuld, dank dieser Kunstgriffe spannend.
Kommen wir also zum Anspruch. Ich picke mir mal die biblischen (deswegen Religionsunterricht) Dimensionen und Elementen die symbolhaft im Film auftreten. Bei der heute sehr niedrige Quote an Menschen mit ausgeprägten Interesse für das meistverkaufte Buch der Welt, ist doch durchaus ein gehobener geistiger Anspruch vorhanden. Gleiches könnte man auch an den tragikomischen Elementen erkennen.
Eins noch : Ich werte Menschen grundsätzlich nicht ab, aber glaube doch daran, daß jeder an seinem Platz ganz gut aufgehoben ist.