Kapitel 15
Stan wachte durch das stetige Rascheln auf. Nach diesem kurzen Trip in die Dunkelheit setze er sich hin. Er reckte und streckte sich, entspannte seine Muskeln. Wieder war das unheimliche Rascheln zu hören. Er schaute nervös von links nach rechts und dann hinter sich. Außer den Büschen und Palmen, sowie der Abgrund nach dem Felsvorsprung konnte er nichts erkennen. Er rieb sich die Augen mit dem Handrücken, rieb sich den Schlaf aus den Augen. Dann schüttelte er noch seinen Kopf, um auf klare Gedanken zu kommen. Das Kratzen und Rascheln war wieder zu hören. Stan spitzte seine Ohren um festzustellen, aus welcher Richtung diese Geräusche kamen. Doch er hatte keinen Erfolg, Es kam aus allen Richtungen und aus keiner. Es war wie verhext. Er kroch auf allen Vieren zum Rand des Felsens und schaute nach unten. Das Monster vom See lag regungslos da. Kein Zucken, kein Augenzwinkern und Atmung war zu sehen. Der Fels hat die Bestie erschlagen, hoffentlich ist die für immer tot. Er schaute noch einige Momente hinunter. Dann drehte er sich um.
Zu tode erschrocken, machte er einen Satz nach hinten. Fast wäre er über die Klippe getreten. Gerade noch konnte er Halt finden, fuchtelte mit den Armen in der Luft, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Leslie, die vor ihm stand, schrie aus vollem Halse. Stan konnte sich noch einmal fangen. Er schritt sofort, nachdem er wieder einen sicheren Halt hatte, einen Schritt nach vorne, nur weg von dem Abgrund.
Du hast mich zu Tode erschrocken. Mach das nie wieder und vor allem nicht, wenn ich vor einem Abgrund wie diesem stehe. Ich wäre fast hinunter gefallen. schrie er wütend.
Es tut mir leid Stan. Ich wollte dich nicht erschrecken. Du kamst mir so komisch vor.
Ich und komisch? meinte er, weiterhin wütend.
Aber so langsam schwand seine Wut. Leslie stand völlig nackt vor ihm. Dieser Anblick war einfach betäubend. Er dachte kurz an vorher, wo sie es inmitten diesem Nichts, inmitten dem Dschungels getrieben hatten. Er mußte Lächeln.
Warum fandest du mich so komisch? fragte er nun freundlich und streichelte zärtlich über ihr Gesicht.
Das du da nicht selbst drauf kommst! Du rennst hier am Tage nackt im Nichts herum. Das find ich irgendwie merkwürdig, oder auch komisch.
Naja, ... ich bin da von einem Geräusch aufgewacht, irgend einem Rascheln und hab mich umgesehen. Ich konnte bis jetzt aber nichts entdecken. Das Biest war es bestimmt nicht. Das sieht tot aus. sagte er beunruhigt.
Nun war auch Leslie beunruhigt. Gemeinsam schauten sie sich um. Nichts war zu sehen. Nur die Landschaft. Plötzlich kam dieses Rascheln und Kratzen wieder und dieses Mal glaubte Stan zu wissen woher das kam. Stan sammelte seine Kleider hastig vom Boden auf. Dann zog er sich ebenso hastig an. Leslie tat es ihm gleich. Er setzte sich in Bewegung, wollte diesem Geräusch nachgehen. Seine Frau kam ihm nach. Beide gingen sie durch die angrenzenden Büsche. Stan schob einige Äste auf die Seite oder brach sie ab, damit es ein Weiterkommen gab. Bald darauf konnten sie den Rest der Insel überblicken. Sie standen am Gipfel eines steilen Abhanges und schauten umher. Leslie entdeckte als erste das abgestürzte Flugzeug, welches zerstört und noch qualmend weiter unten lag. Sie stupste Stan und zeigte mit dem Finger auf die Stelle des Unfallortes. Stan begutachtete das Wrack.
Wieso haben wir davon nichts mitbekommen. Es muß einen unglaublichen Knall gegeben haben, als das Flugzeug aufprallte! meinte er erstaunt und runzelte die Stirn.
Hey Stan, ich glaub ich habe einen Ausweg gefunden. Siehst du die große Satellitenschüssel dort drüben? Das ist bestimmt eine Funkstation. Dort können wir ein Notsignal senden und verschwinden von hier. schrie sie aufgeregt.
Stan schaute auf, zu der Satellitenschüssel. Mitten um Urwald stand ein großes, graues Gebäude. Es hatte fast keine Fenster. Auf dem Gebäude stand eine große Satellitenschüssel. Hinter dem Gebäude konnte man am Strand auch eine Lichtung ausmachen, die einen Hubschrauberlandeplatz darstellte. Endlich hatten sie einen Weg, aus diesem Dschungel zu entkommen. Nun kam wieder Hoffnung ins Spiel.
Na gut. Dazu müssen wir an diesem Wrack vorbei. Leslie, verheile nochmals unsere Wunden, wer weiß, was uns da unten erwartet! sagte er zu Leslie.
Sie nahm die übrigen Blätter von der Mycanthius Mavericus und quetschte den Saft heraus. Diesen ließ sie auf die Wunden tröpfeln, so daß diese sich nicht mehr infizierten.
Falls wir es nicht schaffen, möchte ich dir noch sagen wie sehr ich....
Er unterbrach sie grob und befahl ihr ruhig zu sein, indem er den Zeigefinger an den Mund hielt. Das Rascheln war wieder zu hören, doch dieses Mal sehr laut und deutlich. Stan packte Leslies Hand und hielt sie fest in seiner. Angstschweiß lief ihm und ihr über das Gesicht. Langsam liefen die Beiden um den Felsen auf der rechten Seite. Stan mußte sich einige Male an dem mit Moos bedeckten Felsen abstützen. Sie liefen Schritt für Schritt am Felsen entlang. Neben ihnen war noch ein Abgrund. Dort ging es ca. zwanzig Meter in die Tiefe. Als sie um den Felsen herum waren, tauchte unter wuchernden Pflanzen versteckt, eine Höhle auf. Stan ließ Leslies Hand los und ging auf die Höhle zu. In Leslies Augen war die nackte Angst zu lesen. Sie bibberte am ganzen Körper. Langsam näherte sich Stan der Höhle.
Kurz davor blickte er nochmals auf Leslie zurück, die wie angewurzelt dastand. Dann widmete er seine Aufmerksamkeit der Höhle. Er hob den rechten Arm und schob vorsichtig die Pflanzen und Lianen auf die Seite. Er schloß kurz seine Augen um wieder Mut zu fassen und schritt dann in die Dunkelheit voran. Nach einigen Schritten hielt er inne und schaute sich um. Plötzlich tauchten weiße Augen vor ihm auf. Das war alles was er sehen konnte, denn er stürmte aus der Höhle heraus und schrie wie am Spieß.
Das ist die Hölle, die reinste HÖLLE!
Vor ihm tauchte der Abgrund auf. Doch er ließ sich nicht beirren. Unter ihm tauchte eine Palme auf. Kurz vor dem Abgrund sprang er ab. Alles verlief wie in Zeitlupe. Er flog im hohen Bogen durch die Luft auf die Palme zu. Einige Augenblicke später landete er auf dem Grünzeugs. Er mußte sich mit aller Kraft festhalten, daß er nicht herunter fiel. Aber ihm war nichts passiert. Er schaute auf und sah zu Leslie . Die stand noch immer wie versteinert da. Wahrscheinlich war sie jetzt, nachdem sie ihn springen gesehen hatte noch mehr geschockt. Er schrie zu ihr herauf, sie solle auch springen, doch sie hörte nicht. Er mußte nochmals laut schreien. Diesmal reagierte sie. Sie setzte zum Anlauf an, hielt dann aber inne. Sie hatte zuviel Angst zum Springen. Sie machte ein paar Schritte rückwärts und faßte ihren Mut zusammen. Dann nahm auch sie Anlauf und sprang. Auch sie landete, zwar etwas unsanft aber sicher, auf der Palme. Stan umarmte sie sofort und gab ihr einen Kuß auf die Stirn.
Wir gehen zu der Satellitenschüssel und holen Hilfe sagte er noch zu ihr und beruhigte sie und auch sich selbst. Denn das war auch bitter nötig. Auch sein Herz raste.
Kapitel 16
Als sie unten ankamen, lief Leslie plötzlich davon. Stan rannte hinter ihr her. Er wußte nicht, was mit ihr los war. Naja, gut! Sie hatten bis jetzt sehr viel durchgemacht, sie waren dem Tot einige Male gerade noch entkommen, trotzdem sollte sie nicht wegrennen, dachte sich Stan. Er holte tief Luft und schrie.
Leslie warte!
Sie rannte weiter. Die Augen füllten sich so langsam mit Tränen.
Ich halt das nicht mehr aus! Wir werden sterben, wir werden diese grüne Hölle nie mehr verlassen
Komm zurück! schrie Stan wieder hinter ihr ich werde dich beschützen!
Auf einmal blieb Leslie stehen, aber nur für einen Augenblick. Dann ließ sie sich auf die Knie fallen und breitete ihre Hände über ihren Augen aus. Sie begann erst ganz leise, aber immer lauter werdend zu schluchzen. Tränen drückten sich zwischen ihren Fingern hindurch. Stan kam vorsichtig von hinten zu ihr und berührte sanft ihre Schulter mit seiner rechten Hand. Er rieb die Schulter einige Male. Doch Leslie schubste seine Hand weg. Stan stand nun da und wußte nicht, was er tun sollte.
Ganz ruhig. Wir werden es schaffen. Schau, wir sind bald bei der Satellitenanlage. sagte er und zeigte in die Richtung, wo die große Satellitenschüssel in den Himmel ragte. Mehr zu sich selbst als zu Leslie meinte Stan noch:
Ich habe uns das eingebrockt, und ich hole uns hier wieder raus. Ich habe diesen Scheiß Ferienort ausgesucht.
Plötzlich platschte ein schleimiger Tropfen auf seinen Kopf. Er fuhr sofort mit der Hand durch die Haare. Er verzog sein Gesicht, als er die glibbrige Masse zwischen den Fingern spürte. Es war ein Schleim der sich fürchterlich und ekelhaft anfühlte. Stan wagte einen Blick nach oben, während sich wieder Schweißperlen auf seiner Stirn bildeten. Was er nun sah überraschte ihn schon gar nicht mehr. Er hatte heute schon so viel erlebt, da war dies nichts neues mehr. Eine gehäutete Kreatur kam dort von einer Palme herunter. Es schwang seine kräftigen Arme mit den drei Klauen umher, an deren Enden messerscharfe Krallen zu sehen waren. Das Biest schien keine Augen zu haben. Links und rechts des Kopfes hing das Hirn herunter. Er riß sein Maul auf und ließ eine lange, rote Zunge herausschnalzen, bevor es einen Rufton von sich gab. Das Vieh war vollkommen mit dem Schleim umhüllt, welcher Stan auf den Kopf getropft war. Es war eine schreckenserregende Kreatur. Auch Leslie hatte es bemerkt und war wieder zur Vernunft gekommen.
Lauf Leslie, lauf! flüsterte Stan um das Tier nicht aufzuschrecken.
Leslie drehte sich um. Doch sie blieb stehen und riß ihre Augen weit auf. Denn nun erkannte sie, daß sie in der Falle saßen. Diese Biester griffen sie im Rudel an. Sie hatten Leslie und Stan umzingelt. Es waren an die zehn Stück, die in einem Kreis um die beiden herumstanden.
Scheiße sie haben uns total umzingelt, Stan. Was sind das für Biester? fragte Leslie ängstlich.
Ich weiß es nicht Sagte er und drehte sich einmal im Kreis. Gegen die haben wir keine Chance, glaube ich, die sind zu viele!
Die Biester kamen langsam aber sicher auf die Beiden zu. Der Angstschweiß tropfte Beiden von der Stirn.
Oh Gott, warum ich, warum! Schrie Leslie und sah zum Himmel auf.
Es ist aus! Kämpf um dein Leben Leslie! schrie Stan, als eines der Biester Anlauf nahm.
Es sprang kurz vor Stan ab. Dieser duckte sich und stieß Leslie auf die Seite, so daß sie zu Boden viel. Die Kreatur war zu hoch gesprungen. Sie flog in einem hohen Bogen über die beiden hinweg. Es kam krachend auf dem Waldboden auf und knurrte frustriert. Die andern Biester brüllten nun und ein weiterer machte sich bereit um sie anzugreifen. Es nahm Anlauf und sprang. Aber auch dieser verfehlte sein Ziel, wenn auch nur knapp. Nun wurden die Monsterkreaturen recht böse. Sie knurrten und brüllten, so daß einem das Blut in den Adern einfror.
Doch da war plötzlich ein sehr lautes anderes Brüllen zu hören. Die Augenlosen Viecher stoben auf einmal in alle Richtungen auseinander. Denn durch die Bäume stapfte die große Riesenmuräne vom See. Die hatte wohl nie genug. Aber sie hatte auch Stan und Leslie gerettet. Vorerst!
Das Teil vom Strand hat sie verjagt. Lauf Leslie, renn zur Satellitenanlage und hol Hilfe. Ich halte das Biest auf. Schrie Stan aus vollem Halse.
Leslie ließ es sich nicht zweimal sagen und machte sich aus dem Staub um Hilfe zu holen.
Den letzten Teil und das Ende dann am Montag
... Fortsetzung folgt ...