Also ich bin von Japan indoktriniert- das stimmt. Ich sehe das vielleicht etwas arg positiv manchmal. Und doch hab ich ja erwähnt, das in Japan nicht alles toll ist. Das habe ich auch selbst zu spüren bekommen. Ich bin da sicherlich objektiver, als viele Japan Fans die nicht dort waren.
Ich finde ja auch das du nicht ganz unrecht hast. Dennoch finde ich, dass du teilweise die falsche Argumentation für deine Schlussfolgerungen nimmst. Also- in der Autoindustrie hast du ja vollkommen recht. Und ich hab ja auch deutsche Autos sehrwohl erwähnt. Ich meinte damit, sowie wir deutschen, lieber deutsche Autos kaufen, kaufen die Japaner lieber Japanische. Und das völlig zu recht. Es ist auch überhaupt nichts falsches dran, patriotisch zu sein, und mit seinem Geld die eigene Industrie zu stützen. Das ist keine kulturelle Verbohrtheit. Denn wie du auch schon erwähnt hast, kommen die eigenen Produkte in vieler Hinsicht den eigenen Bedürfnissen oft am nächsten. Ist ja jetzt auch keine Blitzerkenntnis denk ich mal.
Das ist in Japan noch ausgeprägter. Doch die Japaner sind relativ große Fans deutscher Autos. Wenn ich denenen erzähle dass ich aus Stuttgart komme- hört man manchmal tatsächlich: OHOOOOO BenZU!! Porusche!!! Wenn sie sich mit Autos auskennen.
Und wenn auch selten, man sieht deutsche Autos zumindest öfter als Amerikanische.
Das Problem natürlich- wie du schon sagtest die Importkosten sind derbst hoch. Ich weiß nicht ob der Grund dafür ist, das man das mit Absicht mit hohen Zöllen belegt. Das weißt du sicher besser. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es zum Teil einfach an den Umständen liegt. Toyata zum Beispiel kann und lässt viele Teile im Ausland vor Ort produzieren. Die amerikanischen Toyotas, das weiß ich sicher, bekommen viele Komponenten aus den USA. Ich schätze mal, dass es bei den europäischen Modellen ähnlich ist. Das würde ja die Kosten drücken.
Andersrum ist es leider nicht so. Die Produktion in Japan ist wegen vielen Gründen teurer. Deswegen ist es sicherlich auch schwerer für ausländische Hersteller, vor Ort zu produzieren um die Kosten zu drücken. Das heißt man muss importieren. Und der Import kompletter Autos, auf eine Inselkette ohne Zufahrtstraßen kann nur teuer sein.
Einigen wir uns darauf, dass es vielleicht mehrere Gründe gibt, dass es schwer ist für auländische Autohersteller, in Japan Fuss zu fassen.
Aber kommen wir zu meinem eigentlichen Punkt: Du bestätigst mir ja doch, das der Autobereich einen ganz andern Markt, nämlich den Markt der älteren anspricht. Und genau deswegen ist die Argumentation doch im Hinblick auf die Xbox teilweise irrelavant. Das ist genau mein Standpunkt.
Es sind zwei Bereiche. Also selbst wenn du Recht hast, man kauft im Automarkt aus Prinzip japanische, dann hat das nichts unbedingt mit der jüngeren Generation zu tun, die sich viel mehr um Videospiele kümmert. Ich weiß das Alter des durchschnittlichen Gamers liegt in Deutschland inzwischen bei 35, aber ich bezweifle sehr stark das dies auch für Japan gilt.
Ich würde sagen, die Überlappung der beiden Zielgruppen Automarkt und Konsolenmarkt, ist geringer. Deswegen finde ich nicht das man die konservativen Autokäufer komplett auf die Konsolenspieler ummünzen kann. Vielleicht teilweise schon aber eben nicht komplett.
(Btw. mein Freundeskreis besteht zwar schon hauptsächlich aus gleichaltrigen, aber nicht nur. Ich hab Freunde aller Altersklassen, und auch viele Erfaqhrungen mit Leuten aller Altersklassen, aber ja, ich sehe das junge Japan wahrscheinlich trotzdem stärker, als das Alte, da hast du mich denke ich richtig eingeschätzt).
Doch im großen und ganzen vetraute man anfangs in Japan sicher eher Sony und Nintendo. War tatsächlich weniger offen gegenüber MS. Aber das ist nicht mit einer "verbohrten" Haltung des Landes in anderen Bereichen gleichzusetzen denke ich.
Man ist da trotzdem offener als du eventuell denkst. Sowohl in den Medien als auch privat haben Gamer der Xbox ne Chance gegeben. Bei Sony ist man sogar richtig kritisch, vielleicht noch kritischer gewesen. Es gibt in Japan ganze Bücher die sich mit dem PS3 Fail beschäftigen. Man sollte auch nicht vergessen, das MS zu einer Zeit rauskan in der HD in Japan auch nicht so stark verbreitet war, aslo auch die Umstände waren noch schwieriger. Da hatte selbst Sony auch viele Probleme noch.
Und tut mir Leid wenn ich es sage, aber das MS in Japan abstinkt hat auch viel mit MS zutun. Das müssen die Leute einfach mal einsehen. MS hat auch nicht jeden Nichtjapaner vollends überzeugt. Und ja gerade das Konzept ging etwas an Japan vorbei. Und das ist ja diesmal noch extremer mit der Xbox One. Es ist ein US Produkt für US Amerikaner. Es gibt einfach begründete kulterelle Unterschiede in jedem Aspekt der Wirklichkeit. Und das ist gar nicht mal was schlechtes.
So meinte ich auch den Satz "dass sie in manchen Dingen tausend mal weiter gedacht haben." Glaub mir es gibt Dinge in dieser Kultur, sei es die synkretistische Religion, seien es die Infrastrstruktur, seien es popkulturelle Praktiken, seien es Traditionen, seien es Künste, da kann Japan einen umflashen. Vor allem in der Hinsicht, wie sehr es Sinn macht innerhalb des Landes. Und umgekehrt gibt es dass hier auch auch.
Das dies im Contra zu den negativen Dingen entsteht und entstanden ist- ist gerade das was die Kultur progressiv macht!!!!!!!!! Das gilt auch für die traditionellen Dinge- die damals schon Contra zu negativen Dingen gegeben haben und dies immer noch tun!!!! Nur das daraus eben manchmal wieder neue negative Dinge entstehen. Willkommen in der Evolution. Das ist das was Kultur ausmacht.
Dabei ist mir einfach wichtig, dass ihr versteht, das Modern und Rückständigkeit eine Frage der Perspektive ist. Dinge die für uns Rückständig erscheinen sind ganz und gar nicht Rückständig auf einem anderen Fleck auf diesem Planeten, wo die Umstände und der soziohistorische Kontext ein völlig anderer sind. Wer das nicht erkennt, der hat die wahren Scheuklappen.
Das allerwichtigste ist- sich von seinem Wertesystem zu lösen, wenn man eine andere Kultur verstehen will. Und damit meine ich, die Wertigkeit die man allen Aspekten der Realität beimisst. Und nicht nur der Moral. Wer das nciht schafft, wird immer nur negatives Erzeugen. Man muss die Wertesysteme anderer nicht annehmen, aber man muss sich von seinen eigenen lösen, bis man sie verstanden hat, wenn man sie denn verstehen will. Das ist das wichtigste bei interkultureller Interaktion.
Und um auf Videospiele zurückzukommen, das ist ein Thema wo ich dir ganz vehement widersprechen muss. Die Traditionen japanischer Games, sind meiner Meinung nach schon weiter gewesen, als die modernsten Entwicklungen westlicher Games. Das ist jetzt ein neues Thema aber, in keiner Hinsicht stehen japanische Games westlichen hinterher. Das ist für mich der schlimmste Trugschluss der jetzigen Generation den ich darin begründet sehe, dass viele gar nicht mehr checken, was an Japansichen Games so faszinierend ist. Nichtweil sie doof sind. Sondern weil sich die kognitiven Gewohnheiten wieder geändert haben.
Ich will jetzt nicht zu viel Eigenwerbung machen, aber hier versuche ich das Thema schon ausführlicher und ganz neutral anzugehen:
East x West 1: Gameplay und Kultur
Muss die Kolumne unbedingt fortsetzen. Da gibts noch viel mehr als nur das Gameplay. Jedenfalls gibt es gute Argumente dafür, warum japanische Games so sind wie sie sind. Der Westen macht nicht alles besser. Ich finde die westlichen Games sind durch viel Realismus und Situationsdynamik nur in kurzfristig ansprechenden Dingen eindrucksvoller. Aber was die Vielschichtigkeit des Szenarios, und die Ausgefeiltheit des Gameplays anbelangt, wie auch ganz viele Faktoren in der Rezeptionsästhetik, stinken sie ziemlich gegen japanische Games ab. Auch jetzt noch. Nur um einen Gedanken noch anzureissen, mach dir mal Gedanken darum, wieso es so viele Japanische Games gibt, die zu kulturellen Phänomenen werden. Pokemon und Pacman- oder Zelda. Oder gerade in der Cosplay Kultur- die ja weitesgehend noch von Japanischen Charakteren a la Final Fantasy dominiert wird. Das hängt alles mit der reduzierten Ästhetik japanischer Games und Anime zusammen. Und das kann man sogar auf das japanische Puppentheater, die eigentliche Urform von japanischer Animationstradition ummünzen. Das animieren von leblosen Avataren, in einer reduziert ästhetischen Welt hat einen viel langfristigeren Immersionscharakter.
Heißt- westliche Games flashen kurzfristig intensiver. Japanische Games flashen langfristig, oft erst nach dem zocken wenn man drüber nachdenkt.
Das gilt auch für Filme und viele andere Dinge. Nun gut das geht etwas weit jetzt, aber das wollte ich nur sagen. Da kann man ganz anderer Meinung sein, als die westlichen Medien, und da gibt es, durch den kulturellen Schmelztigel- welcher der Videospielmarkt nunmal ist, auch ganz unterschiedliche Spieltypen. Ich spiele viele westliche Games. Aber die wenigsten flashen mich so sehr, wie die japansichen. Sie flashen mich immer am Anfang, und werden dann oft fad. Die japanischen Games beginnen immer fad, werden aber immer flashiger finde. Glaub mir, da gibt es noch ganz viel zu ergründen, da gibts kein Hinterherhängen japanischer Games. Japanische Entwickler tun gut daran ihre Traditionen nicht ganz zu vergessen.
Bestes Beispiel DMC und Devil May Cry 3- allein anhand dieses Spiels kann ich dir vorbeten, wo das West Remake trotz einiger guter Ideen total versagt, im Vergleich zum japanischen Original.
Und Videospiele sind da nur ein relativ banales Beispiel.
Denn das gilt auch für viele andere Traditionen, egal von welchem Land. Ich bin auch ein progressiv denkender Mensch, bzw. versuche einer zu sein. Ich versuche immer alles andere als konservativ zu denken. Und doch manch Tradition macht durchaus Sinn (und speziell japansiche Traditionen und Gepflogenheiten sind manchmal weiter als die unserer Gegenwart. Was an der Bevölkerungsdichte alter japanischer Städte lag)
Man sollte auch insgesamt nicht verkennen, dass es auch vor uns schon Leute gab, die ziemlich weit gedacht haben. Deswegen, in Bezug auf Traditionen, egal mit welcher Kultur man sich beschäftigt- Man muss da ganz sensibel sein, sonst landen wir wieder in der Kreuzzugszeit. Traditionen mit Rückständigkeit gleichzusetzen ist ein Riesenfehler. Das bekommt man auch in unserem eigenem Land zu spüren.