@travis
Teil 1
Niemand sagt, daß wir ein Regime würgen sollen. Unsere eigenen Ideale zwingen uns dazu. Gerade Du, der mir gerne Kaltherzigkeit, bist Du kraft Deines Glaubens an Frieden und Freiheit, moralische verpflichtet gegen Ungerechtigkeiten einzuschreiten. Du und im Endeffekt der gesamte aufgeklärte Westen ist verdammt dazu jeden aber auch jeden Bösewicht eins auf die Nüsse zu hauen, allein weil unser Wertsystem nichts anderes zuläßt. Das wirklich Interessante an dem Dilemma ist aber, daß wir genau wissen, daß nicht alle Schrecken dieser Erde einfach so verschwinden, nur weil wir es uns wünschen. Manche Probleme gehen wir an, z.B. Korruption in Rumänien oder den bösen "Serben Slobodan", andere ignorieren wir zum Teil vollkommen, China, Tschetschienen, Neue Armut, Nepotismus in Afrika und viele andere. Das ist nun einmal die Krux mit einem moralischen Wertesystem, es ist unmöglich zu realisieren. Ich und andere bevorzugen deshalb ein Wertesystem, daß auf Vorteilserwartungen gründet. Ich töte nicht meinen Nachbar, nicht weil es moralisch falsch wäre, sondern weil es nicht vorteilhaft ist. Umgekehrt ist jedoch recht vorteilhaft für mich ihn nicht zu töten, wenn ich erwarten kann, daß er mich nicht tötet. Dieses Thema hatten wir bereits und ich muß die Konzeption nicht nochmals en detail ausführen.
Wir haben also zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze herauszufinden, warum ein Regime weg muß : Der moralische Anspruch und den rationalistischen Ansatz. Nach allem, was ich hier so lese, habe ich den Eindruck, daß die große Mehrheit zu ersterem neigt. Der Vereinfachung halber ordne ich Dir diese Position persönlich zu. Du glaubst an das Gute und erkennst das Böse, Du glaubst an die Menschrechte und die Verpflichtung diese zu schützen und dem Bösen (Haß, Geldgier, Folter, Sklaverei, Krieg, Gewalt, Korruption...) entgegenzutreten. Auf diesen beiden Kernpositonen gründet sich Deine Wertekosmos und Deine Wahrnehmung (dies sind im übrigen auch die Ausgangspunkte aller Parteien in der BRD). Damit dieses Weltbild gültig bleibt, damit Deine Person gültig bleibt ist Wegschauen, Verleugnen und Ignorieren nicht möglich, denn bereits eine einzige Abweichung lößt das Gesamtbild auf. Deswegen würde ist für dieser gedankliche Ordnungsanspruch, in seiner Umsetzung reinste Heuchelei. Wenn man als mit Gut und Böse hantiert, dann ist nur konsequent gegen das Regime Saddam vorzugehen, die eventuellen Kosten und Opfer spielen dabei für den geistigen Überbau nur eine sekündäre Rolle. Diese bilden nämlich schon den nächsten Konflikt, Gewissenskonfilkt. Darf man diese in Kauf nehmen, um ein "größeres" Übel zu beseitigen? Ein herrliches Dilemma für Gutmenschen, die Lösung die gefunden wurde, ist das delegieren der Verantwortung für eine Entscheidung auf die höchste Ebene (heute die UNO, früher hat der heilige St. Andreas vollkommen ausgereicht). Dazu schafft man noch ein kompliziertes System von Schranken und Kontrolle und schon können die Menschenliebhaber beruhigt in den Krieg ziehen. Für dieses Weltbild lautet die Antwort : Jeder entscheidet, daß ein Regime gewürgt werden muß, etwas anderes wäre Selbstverleugnung. Die ultimative Entscheidung trifft das denkbar höchste Gremium, nach Durchlauf sämtliche Schranken und Kontrollen. Der Vorteil ist recht offensichtlich und die persönliche Verantwortung wird delegiert. Genauso und nicht anders sind die Europäer bereit in den Krieg zu ziehen. Ausnahme bestätigen aber die Regel. Die Amerikaner argumentieren im selben Weltbild, nur haben sie einen vereinfachte Version, hier hat der Präsident die oberste Verantwortung, Schranken und Kontrollen gibt es auch (Kongress, Senat). Konsequenter Weise, weil noch nie anders erfahren, können wenn man selbst, Amerika, Recht hat weil man gut ist, die anderen Positionen nur Unrecht sein. Die angesprochenen Konfliktfälle werden genauso aufgelöst wir bei der zuvor geschildert Variante dieses Weltbilds. Es ist nicht verwunderlich, daß die ach so humanen Verfechter der Menschlichkeit und der Nächstenliebe genau diejenigen sind, die das meiste Blut auf Erden vergossen haben. Die Postion der Amerikaner unterscheidet sich also nur marginal von den Europäern, ergo wäre ein kriegerischer Einsatz der Europäer nur davon abhängig, ob jemand anstatt eine Million, zwei Millionen umgebracht hat oder ob man sich sicher ist, das Vergasen von Menschen schlecht ist. Wie lächerlich dies ist sollte eigentlich jedem klar sein. Soviel zur philosophischen Analyse. Die Realpolitik sieht etwas anders aus, ist aber in unterschiedlichen Stärke von dem moralischen Weltbild geprägt.
Bei der Vorteilserwartung, kann jeder entscheiden, ob ein Regime weg soll oder nicht, je nachdem welche Vorteil zu erwarten sind, gleichzeitig werden auch alle Nachteile erfasst. Das Recht zur Entscheidung hat jeder Einzelne. Die Entscheidung zum Handeln wird aber vom Streben nach Vorteilsnahme einer möglichs großen Gruppe geprägt. Moralischer Vorbehalte gibt es nicht. Ergo, entscheide ich, daß es vorteilshaft sein könnte Saddam Hussein wegzuhaben und teile dies mit eine großen Gruppe. Gleichzeitig betrachte ich den hohen Preis (Zerstörung, Opfer, Kosten, Besatzung, Widerstand). Ich persönlich hätte den Irakkrieg nicht geführt, weil der Preis den Vorteil übertroffen hätte, die Bush Administration sah das anders und zahlt den vollen Preis, ergo kann ich es akzeptieren. Im Fall Iran ist der Vorteil, eine Atommacht weniger groß genug um eine teure Rechnung zu akzeptieren. Denn bereits die einmalige Anwendung ihres Nuklearpotenzials wäre derartig nachteilhaft. Selbst die Menschen, die moralisch ihr Handeln determinieren, wissen, daß ein Aufrechnen jede Menge Folterkammern in ganz Deutschland aufwiegen würde.
Vietnam ist nicht Thema. Nur ein Satz : Das Problem war, daß Südvietnam nicht freiwillig kommunistisch werden wollte.
Dein entscheidender Punkt ist nicht vorhanden, da er nicht kausal weder mit dem Thema verknüpft noch mit meinen Äußerungen dazu ist. Ich gehe trotzdem darauf ein. Ich bin dafür Menschen außer Landes zu verbringen, wenn es die Vorteilsnahme aller anderen ermöglicht und der Preis für Terminierung zu hoch ist. Ich wäre auch dafür bestimmte Staaten wieder zu kolonisieren und die Zivilisation einzubleuen, wenn der Preis dafür nicht zu hoch wäre.
Teil 2
Nein, ich schaue nicht Sledge Hammer. Mit "dort" meine ich überall, wo Menschen unwillentlich und unatürlich sterben.
Das stimmt schon mal überhaupt nicht, denn im Irak sterben Iraker durch die Hand anderer Iraker, die US Truppen töten zwar auch den einen oder anderen, genauso wie die Netten Jordanier, Iraner, Syrer..., aber das Gros stellen die Einheimischen. Soweit ich weiß sind die Iraker nicht Teil der USA. Die Ausführenden sind also schon mal nicht die USA. Anscheinend muß die USA der Grund für das Morden sein. Aber auch dies ist nicht unbedingt zutreffend, die Kurden bringen Sunniten nicht wegen der USA um, sondern aus eigenem Interesse. Die drei Bevölkerungsgruppen und die diversen Minderheiten töten einander aus unterschiedlichsten Motiven. Die USA sind kein Motiv. Die US Soldaten töten um sich zu schützen, das ist der Überlebenswille nicht die USA. Die Terroristen, ob Einheimische oder Ausländer töten Iraker, weil diese ihre Gegner oder Konkurrenten sind, weil sie der Regierung dienen oder weil sie Schlagzeilen machen wollen. Wiederum sind keine USA dabei. Die Terroristen und Freiheitskämpfer töten Amerikaner und US Soldaten, weil sie etwas gegen die USA und der Anwesendheit haben, oje hier sind die USA voll schuldig (bisher, geschätzter Prozentsatz 5%). Die Motive können es also auch nicht sein, vielleicht der Anlass? Ja, hier werden wir fündig, weil Saddams Schergen nicht mehr für Ruhe und Ordnung sorgen, das konnten die recht gut, und weil die USA Saddam vom Thron gestürzt hat, sterben dort Menschen. In direktem kausalen Zusammenhang steht das Töten im Irak nur in geringstem Maße mit den USA, im situativen und indirekten Zusammhang spielen die USA eine größere Rolle. Die Motivation Einzelner verknüpft den Anlass mit eigennützigen Beweggründen, die man nun wirklich nicht den USA anlasten kann. Die Verantwortung tragen natürlich die USA, aber auch alle anderen, die nicht dazu beitragen, die Situation zu verbessern.
Zur vorherigen Situation im Irak, sage ich nur, Jacques Chirac und Helmut Schmidt sind die Schweinpriester, Helmut Kohl und Francois Mitterand in der Nachfolge natürlich auch. Gorbatschov und Breschnev diese bösen Panzerlieferanten und die Geldgeber aus Kuwait, Saudi-Arabien, U.A.E. und Oman sind sicherlich auch alle mit von der Partie gewesen. Nur die weil die USA ein paar Satellitenbilder an Onkel Saddam verteilt haben und Neffe Rumsfeld, den Clark Gable vom Tigris a bisserl angestachelt hat, sind die USA ganz bestimmt nicht allein für den Verfassung des Irak verantwortlich.