Ballack oder das Gedicht vom Sprachverlust
24. Juli 2015 um 07:42
Ich weiß nicht mehr genau, wann es war,
als ich begann, jegliche Form der Kommunikation
mit dem Wort „
Ballack“ auf ein Minimum zu reduzieren,
umso jeglichen Dialog im Keime zu ersticken.
Auf ja/nein Fragen – „
Ballack!“
„Wie spät ist es?“ – „
Ballack!“
Auch Formeln der Begrüßung fielen
Ballack zum Opfer.
„Hey Chris! Na, was geht?“ – „
Ballack!“
Wenn ich allein zu Hause war, führte ich Selbstgespräche:
"
Ballack!" - "
Ballack!" - "
Ballack!" - "
Ballack".
Ich wurde kreativ, indem ich einige Laute der
Vokale leicht veränderte, sie in die Länge zog
oder sie letztendlich ganz weg ließ,
was dann auf
Beleck
Bällääck
Ballaaaack
Blck
und usw. hinauslief.
Ich ersetzte sogar Interjektionen durch „
Ballack“.
Beim Sex – „
Ballack!“
Auf der Toilette – „
Ballack!“
Beim Feiern – „
Ballack!“
Wenn mir jemand auf der Straße im Weg war:
„
BALLACK!“
Und die
Kommunisten von der Parteizentra
le
schräg gegenüber klingelten
bei mir an der Tür,
i
ch öffnete und riet ihnen, ihrer Träumerein von
Revo
lution aufzugeben und sich einer ernsth
aften
P
artei anzuschließen.