Ignorieren wird die Lage nicht entschärfen. Im Gegenteil. Egal ob Schweiz oder Österreich etc., überall fängt es an, diese Thematik als Teil des Wahlkampfes zu machen. Manche Politiker meinen, mit einem irgendwie gearteten Verbot - siehe auch Pornoseiten - würde man das Problem bekämpfen.
Problem ist, dass es zu solchen Meinungen keinen politisch bedeutsamen Gegenpol gibt. Den Herren+Damen aus der Politik unterstelle ich im ersten Moment durchaus, dass sie mit bestem Wissen u. Gewissen meinen, mit einem Verbot etwas Gutes zu tun. Leider haben sie nicht das nötige Wissen und oft genug ein spezielles, nicht mehr allgemeingültiges, Gewissen.
Verbieten wir Fussball, weil Hooligans immer wieder Menschen verletzen ? Wird Alkohol verboten, weil dadurch immer wieder Menschen Schaden nehmen ? Wohl kaum. Hier ist die Summe der Wählerstimmen zu groß.
Und wer glaubt, dass sich einige kleinere Parteien dem am Ende erfolgreich widersetzen, falsch gedacht. Wie bei Opel oder anderen Dingen werden wichtige Sachfragen zum Wahlkampf und manchmal auch dadurch entfremdet in der Bedeutung.
Die Wehrpflicht hat damit nichts zu tun und ist ein Vergleich mit Äpfel und Birnen. Erstens steht diese im GG und zweitens kann man jederzeit verweigern. Videospiele dagegen sind so nicht aufgeführt und können höchstens in den Bereich "Kultur", "Sport" oder "Persönlichkeitsrechte" eingruppiert werden. Zudem man beim BUND tatäsächlich nicht auf Hologramme ballert und das schon gar nicht unbeobachtet/nicht überwacht.
Sollte sich die Spielerschaft nicht ernsthaft formieren, sachlich argumentieren und vom Ton her auch gerade die Leute respektieren, die auch meiner Meinung nach komplett daneben liegen oder aus der Sache einen Kreuzzug machen, werden gesetzliche Änderungen und Beschneidungen kommen.
Gerade in der Krise werden Gegenmeinungen oder Pro-Games-Meinungen überstrahlt von den Ereignissen, die einfach wichtiger sind. Dennoch will man Wählerstimmen von denen, die sich da noch weniger auskennen und denen man mit wenigen Sätzen glaubhaft vermitteln kann, dass ein Ego-Shooter oder ein Ballerspiel eben ein Grund für Amokläufe und Gewalt im Alltag darstellen. Als Kommunalpolitiker weiß ich, dass praktisch keine Partei oder kein Kollege sich mit Videospielen auskennt - maximal noch mit einem Gehirnjogging.
Auf Bundesebene haben Verbote diesbezüglich keinen Wert. Egal ob Verteuerung von Alkopops, Heraufsetzen des Bezugsalters für Tabak und Alkohol oder sogar, wie hier in BaWü bald, ein Verbot von Alkoholabgabe in der Nacht an Tankstellen und Kioske etc. . Diese Maßnahmen greifen nur vereinzelt - werden aber die Misstände in Sachen Erziehung, Moral und Selbstverpflichtung/Anstand niemals erzwingen oder hervor bringen. Ohne politische Agitation wird dieses Thema seinen Weg nehmen und den bestimmen derzeit eher die Gegner von gewalthaltigen Videospielen.