piko hat folgendes an Joachim Herrmann geschrieben:
Sehr geehrter Herr Herrmann,
Wie koennen Sie es wagen?
Woher nehmen sie sich das Recht heraus, Video- und Computerspieler mit Konsumenten von Kinderpornos zu vergleichen?
Nur kurz am Rande: Ich bin 33 Jahre alt, spiele seit über 20 Jahren Video- und Computerspiele, habe einen sehr guten Realschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung zum Schriftsetzer.
Ihr Vergleich ist mir nicht neu, ich habe mich schon vor ein paar Monaten darüber aufgeregt. Was mir aber nicht in den Kopf will ist die Tatsache, dass sie absolut keine Ambitionen zeigen sich eingehend mit dem Thema zu beschaeftigen. Ihre Statements klingen abgelesen, sie haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nie einen Controller in der Hand gehabt.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch ich bin für einen effektiven Jugendschutz, auch ich beobachte mit Sorge, wie sich nachweislich Minderjährige in diversen Internet Foren damit rühmen, indizierte Titel über das Internet bezogen zu haben.
Aber warum zum Teufel soll ich darunter leiden?
Ich kann mir Pornografie in der Videothek ausleihen, ja sogar im Internet ansehen, damit haben sie offenbar kein Problem.
Genauso wie sie offenbar kein Problem damit haben scharfe Waffen im Haus aufzubewahren. Ich weiß selber, dass die Gesetze sehr streng sind aber bitte bedenken sie eines: Videospiele töten keine Menschen, Waffen hingegen sind darauf ausgelegt.
Ich finde Ihren Vergleich moralisch höchst verwerflich.
Genauso finde ich es verwerflich, dass aus Ihrer Fraktion Angebote kommen um sich mit der Materie Videospiel zu beschäftigen und sie und ihre Kollegen Strobl und Haderthauer es nicht für nötig erachten diese Angebote wahrzunehmen.
Meines Erachtens haben sie ihre Kenntnisse über Videospiele aus der Boulevardpresse, wenn überhaupt, wenn nicht denke ich dass ihnen die Wähler unter 60 nicht attraktiv genug erscheinen, bzw. eine zu vernachlässigende Minderheit sind.
Ich hoffe inständig dass Ihre Partei bei der Bundestagswahl im September einen ordentlichen Schuss vor den Bug bekommt, ihren selbstgefälligen Aussagen zufolge werden Sie mir wohl bestenfalls ein müdes Lächeln abringen, auf meine Stimme ist, auf gut deutsch geschissen, andernfalls werde ich wohl mit Islamisten und Kinderfickern unter einen Hut gestellt.
Ganz ehrlich: ich habe wirklich Respekt vor der Leistung der CSU, gerade in Sachen Wirtschaft hat ihre Partei Bayern ganz nach oben gebracht. Es stellt sich aber eine gewisse Politikverdrossenheit ein wenn ich sehe wie selbstgefällig ihre Parteifreunde und ihre Schwesterpartei sich einen Dreck darum scheren was wirklich wichtig ist. Es wird die Verbotskeule geschwungen, weil ja Videospieler offenbar allesamt minderjährig und somit nicht wahlberechtigt sind.
Wenn Sie wirklich glauben dass mit Verboten und Internetzensur alle Probleme gelöst werden können erlaube ich mir den Vergleich mit Diktaturen wie Nord-Korea, der Volksrepublik China, der DDR, ja sogar mit dem Nationalsozialismus.
Wollen wir wirklich in einem solchem System leben? Als noch mündiger Bürger sage ich dazu NEIN. Statt dessen fordere ich von Ihnen und ihren Kollegen, ob CSU, CDU oder SPD, wirksame Lösungen zu finden, die nicht in Verboten enden.
Es sterben jährlich mehr Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch als an Videospielen. Machen Sie sich mir zur Liebe bitte ein paar Gedanken darüber, warum es einem jungen Menschen mit 16 Jahren erlaubt ist sich ins Koma zu trinken. Erklären Sie mir bitte was daran besser ist, als wenn besagter Jugendlicher täglich eine halbe Stunde Counterstrike spielt.
Wie wollen Sie Eltern etwas von Medienkompetenz vermitteln wenn Sie offenbar selber nicht genau wissen, wovon Sie sprechen?
Ich fordere von ihnen eine europaweit einheitliche Lösung zum Thema Jugendschutz, wobei die Betonung auf "JUGEND" liegt. Als Erwachsener will und werde ich mir nicht vorschreiben lassen was ich mir ansehen oder spielen darf.
Trotz meinem Unmut wünsche ich ihnen alles Gute und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Dennis K