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Milch-Verhunzung

partykiller hat folgendes geschrieben:

Menirules hat folgendes geschrieben:


Ich habe das Milch-Problem immer noch nicht so ganz kapiert.


Ist es nicht so, dass die Milch so billig ist WEIL die Bauern soviel davon haben dass sie zig tausende Liter verschütten können??


Wenn die Bauern nicht so unglaubliche Massen an Milch produzieren würden, würde der Preis doch logischer Weise von alleine wieder steigen oder?


Es gibt mehr Milch als es Abnehmer dafür gibt, ist doch klar, dass man den Liter schon für 42 Cent bekommt. Oder mache ich es mir da zu einfach? Ich kapiers nicht.

nein, Du dürftest es genau richtig erfasst haben.


Wobei vermutlich auch die Tatsache eine Rolle spielen dürfte, dass Discounter, die als Quasi-Alleinabnehmer bei Bauern auftreten, durch ihr Nachfragemonopol ebenfalls den Preis beeinflussen können.

Was aber wiederum eine Folge der Überproduktion ist. Also ja, eigentlich wäre es nur logisch und sinnvoll, wenn man ein paar Bauern pleite gehen lässt, sich Milch aus Ländern kommen lässt, in denen sie besser billig produziert werden kann und die Bauern in Bayern, Luxemburg, etc. umschult. Das wird auch passieren und der Markt reguliert sich hier selbst.
 
@ Macbell

Mir fallen da leckere Burger ein :)

Nein, mal ernsthaft:
Von Pleite gehen lassen war jetzt eigentlich nicht die Rede.
Aber fragen muss ich mich schon: Wenn ich jetzt eine Milliarde Plastikgabeln produziere, im Schnitt aber nur eine Million verkauft wird, muss mir als Hersteller doch klar sein, dass ich was falsch mache.
Klar muss ich dann meine Löffel für 1 statt 2 Cent verkaufen.
Die Bauern verlieren natürlich ihr Druckmittel wenn der Abnehmer sagen kann: Gut, dann hol ich mir die paar tausend Liter Milch halt wo anders.
Der Bauer muss sich selbst in die Position bringen um sagen zu können: Nein, für diesen Preis gebe ich meine Milch nicht her.
Wenn den Discountern die Lieferanten ausgehen, was meint ich wie schnell der Milchpreis in die Höhe schnellen würde?
Warum sollte der Preis denn künstlich Hochgepushed werden? Angebot und Nachfrage regulieren den Preis, daran wird sich nix ändern.
 
Ich kann die Bauern absolut verstehen!
Die viele Arbeit, die die Milchproduktion nun einmal macht, steht in keinem Verhältnis zu den Preisen, die die Bauern für einen Liter Milch bekommen! Das Problem ist einfach, dass in der Vergangenheit die Bauern durch die EU dazu angehalten wurden, möglichst viel Milch (und Butter) zu produzieren ("Milchseen und Butterberge"), was auch dazu führte, dass die Preise für Milch in den Keller gingen. Die Agrarsubventionen der EU werden (imo zurecht) nun immer mehr zurückgefahren, aber umgekehrt drücken die großen Molkereien nach wie vor die Preise für Milch.
Es kann nicht sein, dass ein Grundnahrungsmittel mittlerweile verrammscht wird, so schön das vielleicht auch für den Geldbeutel ist. Aber der Bauer auf dem Land geht daran mittelfristig zu Grund. Und dann brauchen wir wieder die Milch, die teuer eingekauft werden muss. Sorry, da verzichte ich lieber auf das ALDI-Schnäppchen und hol mir frische Milch direkt vom Bauern und zahl dafür gerne auch etwas mehr!

Es ist doch traurig, wenn man seine Erzeugnisse wegschütten kann, weil es finanziell kaum noch etwas ausmacht...
 
@Meni
wenn wirklich nur Angebot und Nachfrage den Preis regulierten, dann wären womöglich einige Produkte sehr viel günstiger, richtig.
Allerdings mischt sich bei einigen Produkt(grupp)en eben auch der Staat als Wirtschaftssubjekt mit ein und garantiert Preise oder Abnahmemengen bzw. subventioniert bestimmte Produkte.
Dadurch entsteht dann eine Schieflage.

Beispiele: Kohlesubventionen
Deutsche Kohle wäre durch die hohen Lohnkosten einfach auf dem internationalen Markt nicht konkurrenzfähig. Nur durch "Reinbuttern" des Staates wird das Produkt dann günstiger und überhaupt ansatzweise konkurrenzfähig.
Mittlerweile ist der schrittweise Ausstieg aus der Kohleförderung beschlossen, soweit mich nicht alles täuscht.

Rohrzucker aus Südamerika wäre vermutlich sehr viel günstiger als der Anbau heimischer Zuckerrüben und des daraus gewonnen Zuckers. Bevor man aber die Landwirte hier ausbluten lässt, lässt man lieber ein paar Agrarsubventionen springen, die die Produkte dann stützen und künstlich "günstiger" machen.

Wenn man dann noch ein paar Schutzzölle einführt gegen die "ausländischen Produkte", die die Auslandsprodukte dann bei uns unattraktiv teurer machen, ist die Illusion perfekt.

Bei einigen Produkten lebt man hier wirklich mit "geborgter Zeit". Die Landwirte verlassen sich auf die Stützzahlungen und wissen haargenau, dass sie ein Produkt herstellen, das es im Übermaß gibt und keiner wirklich dringend benötigt, die wissen meines Erachtens nach schon um ihre Abhängigkeit. Es sind halt einfach keine knappen Güter, die hier hergestellt werden.

Sinnvoll wäre es für ein "Hochpreisland" (Hochlohnland kann man bald nicht mehr sagen) wie Deutschland, sich auf die Erbringung von Dienstleistungen, zu konzentrieren, weil man einfach in der Produktion immer wieder gegenüber den viel günstigeren Ländern den kürzeren ziehen wird. Diese Weiterqualifikation hätte dann auch zur Folge, dass man sich selbst für den Markt attraktiver und tendentiell unentbehrlicher macht.
 
madcell hat folgendes geschrieben:

Naja, das ist einfach gesagt... Aber wie soll man denn bitteschön von heute auf morgen mir nichts dir nichts die Milchproduktion auf null bekommen? Immerhin gitb es noch sowas wie Kühe, die die Milch produzieren (wie oben bereits angesprochen).

Sollen jetzt etwa 'ne Millon Kühe ermordet, auf einen Haufen geworfen und verbrannt werden oder wie soll das genau funktionieren?


Kühe produzieren nur dann Milch, wenn sie trächtig sind bzw. gekalbt haben. Ergo, ist es ganz einfach die Milchproduktion zu regulieren bzw. runter zu fahren - einfach die Kühe nicht mehr decken und weniger züchten! Auf der anderen Seite führt das dann aber wieder bei der Fleischzufuhr, auf die viele so viel wert legen, zu ggf. Engpässen, denn Kalbfleisch gehört zu den durchaus sehr beliebten Sorten - und wenn man die Kühe nicht mehr kalben lässt, gibt es auch weniger Kalbfleisch .. eine Katze, die sich in den Schwanz beißt .. generell aber würde sich das Problem recht einfach lösen lassen, wenn der Verbraucher nicht so verdammt engstirnig wäre und ein bisserl über seinen eigenen Tellerrand rausschauen würde .. aber das ist wohl Utopie .. weil Mitdenken Fehlanzeige und Geiz ist bekanntlich geil!
 
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