Travis Bickle
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Vom Krebs gezeichneter Pinter wütet gegen USA
Literaturnobelpreisträge Harold Pinter verlas eine flammende Videobotschaft.
(von web.de)
Stockholm/München - Zur Reise unfähig, vom Krebs schwer gezeichnet, aber mit geballter Faust und grenzenlosem Zorn hat der britische Dramatiker Harold Pinter (75) seine Rede zur Verleihung des Literatur-Nobelpreises für heftige Attacken auf die USA genutzt.
Präsident George W. Bush und sein britischer Verbündeter Tony Blair gehörten als Massenmörder vor ein Kriegsgericht, und die Vereinigten Staaten seien von einem «Gulag» von Gefängnissen überzogen, schleuderte der unter einer Wolldecke im Rollstuhl sitzende Pinter per Videovorführung in den Saal der alten Stockholmer Börse.
Weil ihm die Ärzte die Reise nach Stockholm zur Entgegennahme des Nobelpreises verboten hatten, hatte sich der sterbenskrank wirkende Engländer in ein BBC-Studio bringen lassen, ehe er am vergangenen Wochenende ins Krankenhaus musste. Seine denkwürdige Rede las Pinter vor BBC-Kameras mit starrem Blick, aber geradezu vulkanisch bebendem Inneren von einem Teleprompter ab. Physisch verlangte ihm sein einstündiger Auftritt das Äußerste ab.
Seinem Münchner Kollegen Hans Magnus Enzensberger (76) rang Pinters Frontalangriff vom Mittwochabend auf die Vereinigten Staaten als Hauptschuldige für das meiste Elend auf der Welt nur ein müdes Abwinken ab: «Das kennt man ja von Pinter. Das ist schon seit Jahren dasselbe Gezeter.» Dabei hatte der Dramatiker seine seit Jahren ebenfalls bekannte Verteidigung des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milosevic komplett ausgelassen, den er als Opfer einer Siegerjustiz zu Unrecht auf der Den Haager Anklagebank sieht.
Aber auch ohne das Thema Milosevic schoss der Dichter beispiellose verbale Salven auf die Vereinigten Staaten ab. Als wichtigsten Unterschied zwischen den Verbrechen in der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg und jenen, die die USA in zahllosen von ihr «unterjochten» Ländern zu verantworten hätten, sah Pinter diesen: «Ich behaupte hier, dass die Verbrechen der USA im selben Zeitraum nur oberflächlich protokolliert, geschweige denn dokumentiert, geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt als Verbrechen wahrgenommen worden sind.»
Weiter wetterte Pinter: «Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig.» Dass diese Politik der einzigen Supermacht auf der Welt einschließlich der Invasion im Irak als «Banditenakt» anders wahrgenommen werde, veranlasste Pinter zu sarkastischem Lob: «Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt.»
Der Tod spielte in Pinters Rede auch eine alles andere in den Schatten stellende Rolle, ohne dass Pinter die eigene Krebserkrankung mit einer Silbe erwähnte. Niemand, der die Videovorführung im Börsensaal sah, konnte sich auch bei politisch diametral entgegen gesetzter Haltung der Intensität und Kompromisslosigkeit entziehen, mit der der Nobelpreisträger für die Würde hunderttausender namenloser Toter im Irak und in Ländern wie Nicaragua oder Chile eintrat, für deren Leiden er die USA verantwortlich machte.
«Kommt, seht das Blut in den Straßen, kommt, seht das Blut in den Straßen, kommt, seht doch das Blut in den Straßen!» zischte er, ein Gedicht Pablo Nerudas zitierend, drei Mal hintereinander in die Kamera und klagte an, dass mehr als 100 000 tote Iraker «einfach nicht zählen». Ans Ende dieses verbalen Gewaltritts stellte Pinter ein eigenes Gedicht mit dem Titel «Tod» und unerbittlichen Fragen an die Nachwelt: «Haben Sie den Toten gewaschen? Haben Sie ihm beide Augen geschlossen? Haben Sie ihn begraben? Haben Sie ihn verlassen? Haben Sie den Toten geküsst?»
Bei der Verleihung des mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Nobelpreises an diesem Samstag aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf lässt sich Pinter von seinem englischen Verleger vertreten
Literaturnobelpreisträge Harold Pinter verlas eine flammende Videobotschaft.
(von web.de)
Stockholm/München - Zur Reise unfähig, vom Krebs schwer gezeichnet, aber mit geballter Faust und grenzenlosem Zorn hat der britische Dramatiker Harold Pinter (75) seine Rede zur Verleihung des Literatur-Nobelpreises für heftige Attacken auf die USA genutzt.
Präsident George W. Bush und sein britischer Verbündeter Tony Blair gehörten als Massenmörder vor ein Kriegsgericht, und die Vereinigten Staaten seien von einem «Gulag» von Gefängnissen überzogen, schleuderte der unter einer Wolldecke im Rollstuhl sitzende Pinter per Videovorführung in den Saal der alten Stockholmer Börse.
Weil ihm die Ärzte die Reise nach Stockholm zur Entgegennahme des Nobelpreises verboten hatten, hatte sich der sterbenskrank wirkende Engländer in ein BBC-Studio bringen lassen, ehe er am vergangenen Wochenende ins Krankenhaus musste. Seine denkwürdige Rede las Pinter vor BBC-Kameras mit starrem Blick, aber geradezu vulkanisch bebendem Inneren von einem Teleprompter ab. Physisch verlangte ihm sein einstündiger Auftritt das Äußerste ab.
Seinem Münchner Kollegen Hans Magnus Enzensberger (76) rang Pinters Frontalangriff vom Mittwochabend auf die Vereinigten Staaten als Hauptschuldige für das meiste Elend auf der Welt nur ein müdes Abwinken ab: «Das kennt man ja von Pinter. Das ist schon seit Jahren dasselbe Gezeter.» Dabei hatte der Dramatiker seine seit Jahren ebenfalls bekannte Verteidigung des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milosevic komplett ausgelassen, den er als Opfer einer Siegerjustiz zu Unrecht auf der Den Haager Anklagebank sieht.
Aber auch ohne das Thema Milosevic schoss der Dichter beispiellose verbale Salven auf die Vereinigten Staaten ab. Als wichtigsten Unterschied zwischen den Verbrechen in der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg und jenen, die die USA in zahllosen von ihr «unterjochten» Ländern zu verantworten hätten, sah Pinter diesen: «Ich behaupte hier, dass die Verbrechen der USA im selben Zeitraum nur oberflächlich protokolliert, geschweige denn dokumentiert, geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt als Verbrechen wahrgenommen worden sind.»
Weiter wetterte Pinter: «Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig.» Dass diese Politik der einzigen Supermacht auf der Welt einschließlich der Invasion im Irak als «Banditenakt» anders wahrgenommen werde, veranlasste Pinter zu sarkastischem Lob: «Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt.»
Der Tod spielte in Pinters Rede auch eine alles andere in den Schatten stellende Rolle, ohne dass Pinter die eigene Krebserkrankung mit einer Silbe erwähnte. Niemand, der die Videovorführung im Börsensaal sah, konnte sich auch bei politisch diametral entgegen gesetzter Haltung der Intensität und Kompromisslosigkeit entziehen, mit der der Nobelpreisträger für die Würde hunderttausender namenloser Toter im Irak und in Ländern wie Nicaragua oder Chile eintrat, für deren Leiden er die USA verantwortlich machte.
«Kommt, seht das Blut in den Straßen, kommt, seht das Blut in den Straßen, kommt, seht doch das Blut in den Straßen!» zischte er, ein Gedicht Pablo Nerudas zitierend, drei Mal hintereinander in die Kamera und klagte an, dass mehr als 100 000 tote Iraker «einfach nicht zählen». Ans Ende dieses verbalen Gewaltritts stellte Pinter ein eigenes Gedicht mit dem Titel «Tod» und unerbittlichen Fragen an die Nachwelt: «Haben Sie den Toten gewaschen? Haben Sie ihm beide Augen geschlossen? Haben Sie ihn begraben? Haben Sie ihn verlassen? Haben Sie den Toten geküsst?»
Bei der Verleihung des mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Nobelpreises an diesem Samstag aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf lässt sich Pinter von seinem englischen Verleger vertreten



