Ich bin auch gegen eine echte Zensur und gegen die Selbstbestimmung von Erwachsenen (!). Manche Kommentare hier sind zwar verständlich aber halt rechtlich nicht haltbar. Art. 2 GG gibt keinerlei Recht auf "brutale" Spiele. Man darf auch als FKKler nicht im Ort nackt rumlaufen.
Das eigentliche Problem ist eine Definitionsfrage. Was ist Gewalt in Spielen, wirkt sie sich aus auf das reale Leben und sind diese Spiele ursächlich für z.B. Schulhofgewalt oder Amokläufe ? Diese Fragen können Politiker nicht regeln, da jeder es anders versteht. Ein Kinofilm kann ab 16 sein und doch brutal für manche.
Hinter all den politischen Kurzschlüssen in Sachen "Videospiele" und vorgeschobenen Jugendschutz steht eine Tendenz, die unbestreitbar ist: Gewalt, moralische Fehlentwicklung, Wertekultur und Respekt werden immer mehr nicht mehr vermittelt, weil entweder nicht vorhanden oder aber es ist zu anstrengend. Vor allem Eltern, Geschwister, Freundeskreise und Lehrerschaft versagen immer mehr. Da meint die Politik einsteigen zu können und ein Gesetz gegen "Killerspiele" ist einfach, vom grünen Tisch aus zu erledigen, die Kosten tragen meist andere und am Ende läßt es sich bei insbesondere älteren Leuten (immer mehr in der Mehrzahl) gut als Stimmenfang gebrauchen. Politiker handeln hier eher ohnmächtig und oft auch nicht für die Gesellschaft denkend sondern nach eigenem Empfinden, was sie gut oder schlecht finden und müssen nicht selten sog. "Experten" zu Rate ziehen.
Was der Sache der Spieler sicherlich nichts bringt ist, wenn man sich in dem Sinne äußert, als dass man hier eine DDR reloaded hätte, ein 4. Reich oder gar einen Überwachungsstaat. Diese Meinungen sind leicht zu widerlegen und negieren damit auch die richtige Forderung nach Selbstbestimmung in Sachen Sex, Videospiele, Selbstentwicklung. Egal ob Musik oder Kinofilm - hier muß Freiheit herrschen von Erwachsenen,jedoch nicht bei Jugendlichen oder gar Kinder im Regelfall. Die pers. Reife ist nicht auf ein Alter festgelegt sondern individuell und die Einschätzung, was ein z.B. 16 Jähriger spielen darf oder nicht sollte denen obliegen, die dafür verantwortlich sind: das pers. Umfeld und vor allem die Eltern. Diese müssen sich damit beschäftigen und sollten nicht TV, Video, Musik oder Videospiele ihrer Kinder mißbrauchen, indem sie sich dafür nicht interessieren aber im Gegenzug dafür ihre "Ruhe" haben.
Es ist immer schwer "nein" zu sagen, wenn der Filius im Laden GTA4 möchte aber erst 14 ist. Ein USK Siegel - egal wie groß - nützt hier gar nichts.
Die Gewaltproblematik - nicht nur bei der Generation "Krawall" - ist weitaus tiefgehender als ein Duke Nukem oder ein Condemned. So leicht lassen sich Versäumnisse und Negativentwicklungen in unserer Gesellschaft nicht bereinigen, mit einem Gesetz, welches verbietet. Im Zeitalter des globalen Internets sind Strafen eh nur bedingt nützlich und sinnig.
Was ein jeder Gamer tun kann ist, seinen Direktwahlkandidaten anzusprechen und ihm mal diese Games zeigen - und das mit Respekt und ohne Agression demjenigen gegenüber. Vor allem aber mit einer Portion Anstand und Nüchternheit. Wer mal ein Gears of War spielt merkt schnell, dass Gewalt hier nicht entscheidend ist. Unendlich mehr Bsp. könnte man noch aufzählen. Wer aber mit (verständlichen) Beleidigungen oder bissigen Kommentaren nur um sich wirft, wird nie gehört werden und dann ändert sich auch nichts sondern wird nur schlimmer.
Rechtlich gesehen ist am Ende auch die EU mit dabei und manche Dinge sind auf Dauer rechtlich gar nicht haltbar, was man von manchen Kollegen aus der Politik liest. Das ist echt reiner Populismus und Wahlkampf. Schade, dass die Sache damit nicht angegangen wird sondern nur Stimmen gesammelt werden.
Vieles müßte man ändern - ob Krieg (aktuell) oder Folter. Alles gleichzeitig kann man nicht angehen und die Mehrzahl der Ziele sind extrem langwierig. Was aber sicherlich eher für Frust sorgt ist, wenn Videospiele demagogisiert werden.