Ich paste jetzt mal den kompletten Chat hier rein. Evtl. kann ein fleissiger Mensch eine News draus machen. Sind doch einige Aussagen dabei (vor allem von Herrn Spieler von der USK) die einem glauben lassen dass dieser noch im Nazi-Deutschland-trauma lebt und noch weit der aktuellen Zeit hinterherhinkt. Der ist sowas von erzkonservativ, das gibts nicht. Frau Griefhahn von der SPD hat auch einige komische Ideen
Okay los gehts:
Moderator: Herzlich willkommen zum fünften Chat in der Online-Debatte Verbotene Spiele? der Bundeszentrale für politische Bildung. Heute von 12:15 bis 13:45 Uhr diskutieren die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn und Dr. Klaus Spieler, Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), an dieser Stelle live über die Frage Wie gut ist die USK?
Kurz zum Ablauf: Wir freuen uns auf eine kontroverse Diskussion zwischen unseren Gästen zum Verbot von so genannten Killerspielen.
Interessierte Nutzer können ebenfalls miteinander diskutieren. Fragen der User an die Experten werden vom Moderatorenteam an die Experten weitergeleitet wir können aber nicht versprechen, dass jede Frage drankommt.
Herr Spieler chattet mit uns aus Berlin, Frau Griefahn trifft in diesem Moment ein.
Zuerst einmal Vielen Dank an unsere Diskussionsteilnehmer, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.
Zum Anfang möchte ich beide Diskussionsteilnehmer um ein kurzes Statement bitten: Wie ist Ihre Position zum derzeit diskutierten Verbot von so genannten Killerspielen?
Herr Spieler möchten Sie beginnen?
Klaus Spieler: Ich finde wir haben ausreichende Verbote, was noch nicht ausreicht ist die Durchsetzung dieser Verbote im Handel und die Einhaltung der Alterskennzeichen in den Familien. ...
Klaus Spieler: Es ist in Deutschland verboten, Spiele ohne Kennzeichen an Kinder und Jugendliche abzugeben. Es ist verboten, Spiele, die indiziert sind für Kinder und Jugendliche sichtbar zu machen oder ihnen zugänglich zu machen und es gibt auch Verbote, bestimmte menschenverachtende Spiele Erwachsenen zugänglich zu machen. ...
Wir sollten uns fragen, warum die Situation trotzdem noch nicht befriedigend ist. Meiner Meinung nach müssen wir uns stärker auf die Frage konzentrieren, dass dort wo die Kinder und Jugendlichen spielen, die Eltern kontrollieren. ...
Klaus Spieler: Die müssen unterstützt werden und motiviert werden, ihrer erzieherischen Verantwortung nachzukommen. Es ist wie bei der roten Ampel im Straßenverkehr: Der Staat stellt sie als Warnsignal auf, er versucht diejenigen, die diese Signale nicht einhalten zu verwarnen, aber wenn die Kinder nicht dazu erzogen werden, auf die rote Ampel zu achten, würde sie wenig Sicherheit bringen.
Moderator: Und Frau Griefahn, bitte!
Monika Griefahn: Ich halte von zusätzlichen Verboten gar nichts. Ich denke, wir müssen erstens die Maßnahmen, die bereits existieren tatsächlich überall wirken lassen. Das ist zum Beispiel die altersbegrenzten Spiele in den Geschäften deutlich zu kennzeichnen...
das Personal entsprechend zu schulen und insbesondere Eltern und Großeltern aufzuklären, dass sie nicht aus Stolz darüber, dass ihre Kinder und Enkelkinder schon so gut mit dem Computer umgehen können, extra altersbeschränkte Spiele kaufen, weil sie denken sie seien besonders schwierig...
und nicht darauf achten, dass sie unter Umständen gewalttätige Inhalte haben...
Monika Griefahn: Darüber hinaus sind die Vorschläge die Altersbegrenzungen größer anzubringen und den Weg von einer Nicht-Altersfreigabe, also auch nicht über 18, zu einer Indizierung zu beschleunigen.
Moderator: Dann lassen sie uns gleich in die Diskussion einsteigen:
Der Staat ist grundgesetzlich in der Pflicht, die Eltern bei ihrer Erziehungstätigkeit zu unterstützen. Andererseits ist Erziehung Elternsache. Ab wann würde der Staat mit Institutionen wie der USK ihres Erachtens bei der Videospielerziehung zu sehr "hineinregieren"? Oder tut er es schon?
Moderator: Herr Spieler, bitte.
Klaus Spieler: Ich glaube nicht, dass der Staat mit der Freigabe von Computerspielen zu sehr in die Elternverantwortung hineinregiert. ...
Realistisch gesehen sind die Alterskennzeichen Warnsignale u.a. für die Eltern, in Grenzfällen tragen die Alterskennzeichen natürlich auch dazu bei, die Erreichbarkeitsschwellen für bestimmte Spiele zu erhöhen, z.B. wenn ein Spiel kein Kennzeichen erhält und dann in den großen Märkten nicht in die Regale gelangt. ...
Ich glaube auch nicht, dass es ein Hineinregieren in die Elternhäuser wäre, wenn Eltern bspw. durch Jugendschutzprogramme in den Spielgeräten oder durch Beratungsangebote bspw. in den Medien stärker auf ihre Verantwortung hingewiesen würden und bei ihrer Wahrnehmung unterstützt würden.
Moderator: Und Frau Griefahn, bitte.
Monika Griefahn: Ich stimme Herrn Spieler zu und glaube eher, dass Eltern, Großeltern und Lehrer noch nicht ausreichend informiert sind und demzufolge keine Hilfestellung oder Erziehung leisten können. Ich glaube, dass die großen Ketten inzwischen Kassensysteme mit Warnsignalen und große farbige Markierungen für Altersbegrenzungen eingeführt haben...
20 Prozent der Spiele werden aber in kleinen Geschäften verkauft, die noch besser geschult und kontrolliert werden müssen...
Monika Griefahn: und das große Problem ist natürlich der Online-Markt, wo die Kontrolle eben besonders schwer fällt.
Moderator: Hier muss man vielleicht kurz erklären: PEGI heißt Pan-European Game Information und ist ein europaweites Alterseinstufungssystem für Computerspiele:
JackBlade: Wieso kann nicht anstatt der USK die Pegi eingesetzt werden, die schon in mehreren europäischen Ländern eingesetzt wird?
Moderator: Herr Spieler?
Klaus Spieler: PEGI ist ein System, das auf dem Selbstrating durch die Industrie basiert. Es vergibt Altersempfehlungen. In Deutschland trägt der Staat die Verantwortung für die Altersfreigabe und die Einhaltung der Alterskennzeichen ist für den Handel und den Verleih gesetzlich vorgeschrieben. ...
Klaus Spieler: Es gibt auch inhaltliche Differenzen in der Bewertung. Wir in Deutschland haben zur Frage Gewalt und Verletzung der Menschenwürde ein besonders sensibles Verhältnis. Das liegt auch an unserer Geschichte. ...
Gerade im Bereich von Gewaltdarstellungen und dem was ich die Möglichkeit nenne, Lust am Bösen zu finden, ist das deutsche System überwiegend restriktiver als PEGI.
Monika Griefahn: Die PEGI setzt weniger Kriterien ein als die USK. Bei einer europäischen Konferenz der Justizminister ist bezüglich des Jugendschutzes ausdrücklich das deutsche System gelobt worden und es wäre sinnvoll, wenn die PEGI-Kennzeichnung sich eher der USK denn umgekehrt annähern würde. Außerdem ist PEGI sehr kompliziert für den Verbraucher zu verstehen.
Moderator: Patrick_Portz: Das im EU-Vergleich hohe Schutzniveau der BRD wird z.T. mit kulturellen Unterschieden der jeweils nationalen Jugend begründet. Ist dies nicht nur Mutmaßung? Warum hat der EU-Rest dann PEGI? Wird die USK somit nicht implizit zum Kulturdefinierenden?
Und Herr Spieler, bitte.
Klaus Spieler: Ich hatte eben schon darauf hingewiesen, dass wir in Deutschland tatsächlich hinsichtlich der Bewertung von Gewalt und möglicher Verletzung der Menschenwürde durch Gewaltdarstellungen besonders geprägt sind. ...
Klaus Spieler: Meiner Meinung nach geht es ja nicht nur um die kulturellen Unterschiede der jeweils nationalen Jugend sondern um die prägenden Wertvorstellungen der gesamten Gesellschaft. ...
In anderen europäischen Ländern wird bspw. mit Darstellungen entblößter Haut oder mit Handlungen, die von schmutzigen Worten begleitet sind, restriktiver umgegangen als hierzulande. ...
Klaus Spieler: Aber interessant an der Frage finde ich schon den Hinweis darauf, dass die USK implizit zum Kulturdefinierenden wird. Jugendschutz setzt die Werte der Gesellschaft um und natürlich dürfte nicht er sie definieren. Das muß die Gesellschaft und vielleicht auch die Politik ihm vorgeben. ...
Klaus Spieler: Und hier haben wir im Hinblick auf die neuen virtuellen Welten tatsächlich eine Werteungewißheit, die sich z.B. in den Differenzen zwischen den Jüngeren und den Älteren nicht zuletzt in der "Killerspiele"-Diskussion gezeigt hat.