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  1. #5021
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    Fortress 2 - Die Festung 2

    Dies ist ein Live-Review. Ich schreibe es, während ich Fortress 2 schaue. Und ich finde den Film jetzt schon scheiße...

    Der Film eröffnet mit Hauptdarsteller Christopher Lambert, der mit seinem Sohn auf Pferden durch einen Wald reitet, untermalt von einem der schlechtesten nachträglich eingefügten Gewitter der Filmgeschichte. Weißblende=Blitz. Hier lernen Filmstudenten wie es nicht geht.

    Lambert und seine Bilderbuchfamilie in der Bilderbuchblockhütte im Bilderbuchwald werden von Bilderbuchfreiheitskämpfern besucht, die vor Bilderbuchunterdrückersoldaten warnen. Die lassen auch nicht lange bitten und schneien zum Kaffeekränzchen vorbei. Und schon folgt die erste unerträglich lächerliche Szene des Films: Einer der bösen Buben möchte sich Einlass zum Einfamilien-Holzverschlag verschaffen und befestigt dazu eine Sprengladung am Schloss einer Holztür, die ich nicht instabiler hätte bauen können. Diese Tür wirkt so, als hätte der böse Wolf sie schon beim einatmen umgepustet. Schon beim Anbringen der Sprengladung hätte sie aus den Angeln kippen müssen. Aber egal. Man hat das Zeug den ganzen weiten Weg hergeschleppt, dann kann man es auch benutzen.

    Lamberts Famile flüchtet durch ein Loch im Boden, Papi versucht derweil die Bösen abzulenken und per Wagen zu fliehen. Der kluge Leser vermutet richtig, dass das nicht klappt. Sonst wäre der Film ja hier schon zu Ende. Wäre vielleicht besser. So aber findet sich Lambert in einem Hochsicherheitsknast wieder, was für ihn ja keine neue Situation darstellt. Das Gefängnis ist natürlich noch besser und grausamer als im ersten Teil. Unausbrechbar, Killer-Implantate, totale Überwachung. Alles wie gehabt.

    Schon wird der Ausbruch geplant. Man findet schnell Freunde, noch schneller Feinde und der sadistische Gefängnisdirektor muss natürlich auch noch vorgestellt werden. Der totale Clou: Der Knast ist im Weltall. Da scheidet Flucht durch den Abwasserkanal schon mal aus. Ich ahne es: Man wird wenig geschickt vorgehen und eher den Weg der brachialen Gewalt bevorzugen.

    Witzig. Die Knackis müssen zur Strafarbeit als Astronauten arbeiten. Faszinierend, dass das alle können. Noch faszinierender, wenn man darüber nachdenkt, dass Milliardäre heute Vermögen blechen, um von den Russen mal ins All geschossen zu werden, in Zukunft aber jeder Knastbruder damit belohnt wird. Das nenne ich Fortschritt!
    Bei näherer Betrachtung ist der Knast in Fortress 2 auch gar nicht so schlimm wie im ersten Teil. Männer und Frauen sind nicht getrennt, mit den Wachen wird nett geplaudert, die Arbeit ist ganz interessant und ab und an kann man sogar mit Besuchern quatschen. Wieso beschweren sich eigentlich alle? Die sollen mal "Midnight Express" schauen und danach froh sein mit dem, was sie haben.

    Langsam wird der Film ein wenig actionreicher, aber nicht besser. Er ist völlig langweilg und ich erwische mich dabei, meine Aufmerksamkeit eher den Werbeunterbrechungen zu widmen. Was kann eine 3D-Zahnpasta, was meine herkömmliche 2D-Zahnpasta nicht kann? Moment mal, sind nicht alle Zahnpasten 3D, es sei denn, man ist einäugig? Ich werde mal bei Blendamed nachfragen. Oder aber mich damit später befassen.

    Mittlerweile wird eine Kakerlake als Spion eingesetzt und der Film driftet endgültig ins Lächerliche ab. Eine müde Kopie des Vorgängers, billig und schlecht umgesetzt. Jetzt taucht auch noch Pam Grier auf und man fragt sich, womit Foxy Brown das verdient hat.

    Oha, der Gefängnisdirektor hat aus seinem Satelliten-Knast heimlich den Todesstern gebastelt! Jetzt wird die Flucht zur humanitären Mission. Schließlich gilt es die Menschheit vor diesem Irren zu retten. Also auf zum Show-Down! Foxy Brown wird als Schlampe bezeichnet. Auch nichts neues. Alle Bösen sterben. Alle Guten überleben. Aber natürlich nur knapp. Wahnsinnig aufregend, das Ganze. Der Todesstern wird zerstört, Han küsst Leia, Chewie brüllt vergnügt. Lambert kehrt zurück in den Bilderbuchwald zu seiner Bilderbuchfamile. Ach was schön!
    Diese zwei Punkte hat sich der Film wirklich verdient!

    2/10

  2. #5022
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    Franklyn

    Oh je, was ist denn da passiert? So viele tolle Ansätze und Ideen. Und dann steht da eine riesen Wand und Franklyn fährt einfach rein.
    Das ist bedauerlich, denn anfangs ist der Karren noch auf Kurs. Auf vier Spuren ist man da unterwegs, die munter gewechselt werden. Zum einen gibt es da die Künstlerin Emilia (Eva Green), die ganz gerne mal Suizid begeht, vorher aber nochmal schnell den Notruf anruft, um sicher zu gehen, dass sie doch überlebt. Milo (Sam Riley) versucht sein Leben neu zu ordnen, nachdem ihn seine Verlobte kurz vor der Hochzeit verlassen hat. Peter (Bernard Hill) ist auf der Suche nach seinem verlorenen Sohn. Und in der fantastischen Welt Meanwhile City muss sich der maskierte Rächer Jonathan Preest (Ryan Phillippe) gegen ein Regime von Glaubensfanatikern durchsetzen.

    Letztere Episode ist eindeutig die interessanteste und spannendste von Franklyn. Meanwhile City sieht fantastisch aus, ist voller skurriler Charaktere und die Idee einer Stadt, in der Religion erste Bürgerpflicht ist, lässt auf vieles hoffen. Man wünscht sich geradezu einen eigenen Film nur über diese seltsame Stadt. Leider wird dieses Potential nicht genutzt und die vielen Ansätze laufen ins Leere.

    Das größte Problem von Franklyn ist allerdings die Verknüpfung seiner vier Erzählstränge. Die findet nämlich leider kaum statt. Nur zwei finden sinnvoll ihren Weg zueinander. Die anderen beiden fügen sich nie so recht ins Geschehen ein und werden dann am Ende quasi zwangsverbunden, was zu einer unbefriedigenden Auflösung führt. Zwar gibt es bereits vorher Figuren, die in allen Episoden auftauchen, aber ein wirklicher Zusammenhang ist nicht festzustellen. Erst nachträglich lässt sich feststellen, dass alle dasselbe Motiv verfolgen: Erlösung. Aber was nützt mir das, wenn das im Film 90 Minuten lang nicht rüberkommt, sich gute Ansätze dann doch als die übliche, flache Pseudopsychologie heraustellen, die man woanders schon besser gesehen hat.

    Zumindest bietet Franklyn gutes Schauspiel und optische Schauwerte in Form von Meanwhile City und Eva Green. Ansonsten wurde hier viel verschenkt. Schade.

    5/10

  3. #5023
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    Hat mich auch etwas aufgeregt - wobei mich v.A. der Charakter Preest enttäuscht hat. Der Milchbubi unter der Maske hat ohne selbige wie ein trotziger Pubertierender gewirkt, der seine Eltern dumm anfaucht, weil sie ihn keine Killerspiele zocken lassen.

  4. #5024
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    Evil Wraith hat folgendes geschrieben:
    Hat mich auch etwas aufgeregt - wobei mich v.A. der Charakter Preest enttäuscht hat. Der Milchbubi unter der Maske hat ohne selbige wie ein trotziger Pubertierender gewirkt, der seine Eltern dumm anfaucht, weil sie ihn keine Killerspiele zocken lassen.
    Oh ja, das kam noch hinzu. Es war eh kein cleverer Schachzug, dass Preest bereits so früh demaskiert wurde. Hätte man damit bis zum Ende gewartet, gäbe es wenigstens einen netten Überraschungseffekt. Aber das ist ja weiß Gott nicht das einzige, was hier falsch gemacht wurde.
    Je mehr ich über den Film nachdenke, desto mehr regt er mich auf! So viel verschenktes Potential! Grob fahrlässig, so mit meiner Erwartung umzugehen!


    Hier ein Film, von dem ich gar nichts erwartet habe:

    Kurt Cobain - About A Son

    Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, mir eine Doku über Kurt Cobain anzuschauen. Zwar mag ich die Musik von Nirvana ganz gerne, aber das Individuum Cobain und besonders dessen (von ihm ungewollte) Götzenverehrung durch seine Fans gingen mir immer auf den Sack. Aber dann flatterte die DVD als Probe ins Haus. Und nun habe ich About a Son tatsächlich gesehen. Und fand ihn sogar nicht schlecht.

    Der Film basiert auf Interview-Tonaufnahmen aus den Jahren 1992 und 93, die für die Nirvana-Biografie "Come as you are" verwendet wurden. Der Zuschauer erfährt hier also nichts, was nicht schon bekannt wäre. Auch wer auf bislang unveröffentlichtes Video-Material von Cobain hofft, wird enttäuscht. Cobain oder Nirvana werden erst gar nicht gezeigt. Erst am Ende gibt es eine Fotocollage der Rocklegende zu sehen.
    Stattdessen untermalt Produzent AJ Schnack den Film mit ruhigen und schön anzusehenden Bildern von den Wirkungstätten Cobains von frühester Jugend bis zum Ende. Eines ist sicher: Den MTV-Award für "Schöner Wohnen" konnte sich Cobain abschminken, denn der Star zog von Dreckloch zu Dreckloch.

    Cobain erzählt aus seinem Leben in chronologisch richtiger Reihenfolge. Von einer schönen Kindheit, die mit der Scheidung seiner Eltern plötzlich vorbei war, woraufhin eine Jugend folgte, die mehr und mehr Richtung Straße, Depression, Drogen, aber auch Musik führte. Es folgen erste Bandgründungen, die Entstehung von Nirvana, viel über Krist Novoselić und Courtney Love, wenig über Dave Grohl, einiges über Drogen, Plattenlabel und besonders Cobains Schwierigkeiten, in der Öffentlichkeit zu stehen.

    Das klingt eher unspektakulär und irgendwie hat man das auch alles schon gehört, wenn man - wie ich - einigermaßen in der Rockszene rumkam. Aber dennoch hat dieser Film ein kleines Wunder vollbracht: Ich begann Cobain zu verstehen. Seine Jugend war scheiße, er war manisch-depressiv, lebte in seinem Auto und plötzlich kommen da ein paar Leute an, drücken ihm ein paar Millionen Dollar in die Hand, spielen seine Songs zehn mal am Tag auf MTV und machen jeden Tag drei Interviews klar. Das soll man erst einmal verkraften. Cobains Meinungen über die Presse sind drastisch, aber nachvollziehbar. Selbst die gelegentlichen Ausraster einer Curtney Love machen auf einmal mehr Sinn.
    Mit seiner ruhigen Erzählweise und seinen eigenen Worten wurde mir der einstige Unsympath auf einmal doch recht sympathisch. Respekt.

    Dazu gibt es einen hervorragenden Soundtrack mit Songs und Bands die Cobain beeinflussten oder aus seinem Umfeld stammen. Ich muss gleich mal wieder die alten Mudhoney und Butthole Surfers-Scheiben rauskramen...

    About A Son ist also durchaus empfehlenswert für alle, die sich ein wenig mit Grunge beschäftigen, in dieser wirren Zeit aufgewachsen sind oder einfach nur gerne traurigen Menschen zuhören. Für Nirvana-Fans ist der Film eh ein Muss. Wer hingegen keine Ahnung hat, wer Cobain eigentlich ist, sollte einen weiten Bogen um den Film machen. Denn ohne Vorwissen läuft hier nichts.

    7/10

  5. #5025
    masterbreak
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    Prince Of Persia

    Jerry Bruckheimer! Man sollte alle Spielverfilmungen in seine Hände legen, es können nur super Filme entstehen. Prince Of Persia ist in meinen Augen eines der Highlights 2010, mehr kann ich nicht sagen. HighQuality Effekte, Action/ & Locations. Rundum gelungen Aufnahmen, einfach Farbenprächtig. Genau so hab ich mir eine Verfilmung des Spiels vorgestellt. Danke!!!

    Tekken

    Der Film ist mMn nach, wie soll ich sagen... crap?! Gründe dafür sind unter anderem Kameraführung, Präsentation und Dialoge, die man leider schon zu oft gehört hat ... einige Kampfszenen waren iO, die der Frauen aber zB sandkastenmäßig

    Kick-Ass

    Ein nach den mehr als postivien Bewertungen getätigter Blindkauf. Super lustiger Film und mit Nicolas Cage für Fans (wie mich) ein echter Bonus oben drauf. Abgefahrener "Teen-Comic-Splatter" Streifen, mit einigen Tiefgängen bzgl. Gerechtigkeit/Ausgewogenheit und dergleichen.

  6. #5026
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    Da standest du wohl an meinem Fenster, Pop und Tekken habe ich mir auch erst angeguckt.


    Prince of Persia

    Genau das, was man von einem Disney-Film erwartet. Ich glaube, deswegen habe ich auch nach der Hälfte (also nach einer Stunde) abgeschaltet. Es ist zwar alles ganz gut inszeniert und ist nicht so dümmlich wie nahezu alle anderen bisherigen Spieleverfilmungen, aber es ist eben Prince of Persia in der Disney-Version. Ich kann auch gar nicht sagen warum, aber letztendlich hat mich der Film so sehr beeindruckt, wie eine weiße Wand. Es ist nichts Außergewöhnliches an dem Film - die Dialoge (inkl. der ach so witzigen Sprüche zwischendurch), die Liebesgeschichte (die sich von einem ständigen gegenseitigen Verarschen auf einmal rasant entwickelt), die Handlung, die Moral... ALLES schon mal dagewesen und hier in einem Paket für die ganze Familie zusammengeschustert - nur eben mit einem PoP-Namen drauf. Klar, kein Film präsentiert kann wirklich Neues bieten und das, was hier zusammengewürfelt wurde, wurde nicht verkorkst, aber es funktioniert einfach nicht. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, was ich von einem PoP-Film erwarte. Vielleicht ist das ja ein Zeichen dafür, dass PoP nur als Spiel und nicht als Film klappt.
    Ach keine Ahnung, diser Film ist meiner Meinung nach jedenfalls nicht gut. Ich würde 5 von 10 Brüder geben.


    Tekken

    Kurz gesagt: Ohne die Tekken-Lizenz wäre der Film ein recht stabiler B-Movie. Die komplette Inszenierung toppt zu jeder Zeit so traurig-lächerliche Scheiße wie Dead or Alive, ist letztendlich aber noch nicht gut. Hätte man auf die Tekkenvorlage verzichtet, hätte man gar nicht erst das Problem gehabt, dass die Kostüme in echt einfach nicht cool rüberkommen. Die Kämpfe an sich haben mit dem Spiel kaum etwas gemein, sie sind etwas realistischer gehalten (zB mit Bodenkampf). Nicht schlecht, aber auch nicht gut. Der Rest des Filmes bewegt sich ebenfalls auf diesem Grat.

    Eine der weniger schmerzvollen Verfilmungen, daher auch hier 5 von 10 Global Dollar.


  7. #5027
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    Und wieder empfehle ich Miike Takashi's Like a Dragon (Verfilmung des ersten Teils der "Yakuza"-Serie), der zwar auch im Grunde kein echter Uber-Film ist, aber zweifelsohne eine der spaßigsten und charismatischsten Spieleverfilmungen überhaupt.

  8. #5028
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    So, die Stunde der Wahrheit:

    Gestern lief, zeitgleich mit dem US-Release, im örtlichen Fremdsprachenkino ein One-Time-Screening zu Let Me In. Nachdem vor 2 Jahren ein gewisser schwedischer Film mit einem vernachlässigten Jungen und einem Vampirmädchen zum Instant-Kultfilm (und - wie hier jeder mittlerweile bis zum Erbrechen mitbekommen hat - zu einem meiner absoluten All-Time-Favoriten) avancierte, war es nur eine Frage der Zeit, bis Amerika mit einem Remake nachziehen würde.

    Wobei "Remake" ausnahmsweise mal der falsche Ausdruck ist, denn obwohl "Let Me In" sich teils deutlich beim schwedischen Original bedient, setzt der Film doch ganz andere Schwerpunkte - zumal er bereits in Planung war, bevor das Original überhaupt in die Kinos kam. Kein wirkliches Remake also, sondern vielmehr eine markttauglichere Alternativfassung, könnte man sagen. Ob das letzten Endes einen Unterschied macht, sei dahingestellt.

    Die Handlung findet statt in Los Alamos, einer Kleinstadt in New Mexico, während der frühen Achtziger. Der kalte Krieg ist trotz seines Namens noch ziemlich heiß und Ronald Reagan schwingt in den Medien seine gepfefferten Reden über das Böse, das Gottes Amerika heimsucht. In dieser Zeit lebt Owen, ein einsamer, etwas spätreifer 12-Jähriger, der von seinen Mitschülern auf täglicher Basis regelrecht gefoltert und von seiner Familie völlig ignoriert wird. Seine Zeit verbringt er mit dem Futtern von Schokolade und dem Ausspionieren der Nachbarn via Fernglas. Eines Tages kommt Abby in sein Leben, ein etwas verratztes, unwirsches Mädchen, das neben ihm einzieht. Sie behandelt ihn ebenfalls nicht unbedingt zuvorkommend, aber sie schenkt ihm nichtsdestotrotz ihre Aufmerksamkeit. So entsteht zwischen den beiden eine Art Freundschaft, die allerdings problematische Züge annimmt als sich herausstellt, dass Abby ein Vampir ist, menschliches Blut braucht und dabei rücksichtslos alles schlachtet, was ihr in die Quere kommt.

    Die grundlegende Story wurde soweit vom Original übernommen, aber die Umsetzung ist eine völlig andere. Der Film ist - wie es sich für Hollywood im Grunde gehört - actionbetonter, dialoglastiger und geradliniger. Jedwede Ambivalenz des Originals wurde aufgehoben, der Ausgang der Geschichte ist unmissverständlich, und es ist definitiv kein gutes Ende, das die Geschichte nimmt. Nebenhandlungen wurden größtenteils gestrichen, die Charaktere auf wenige grundlegende Eigenschaften herunterreduziert.

    Das macht den Film definitiv eine bessere Kinoerfahrung für alle, die das Original langweilig fanden oder eine etwas deutlicher ausformulierte Handlung erhofft hatten. Vom reinen Unterhaltungsfaktor her ist der Film dem Original fraglos überlegen, das Vampirthema wurde noch etwas in den Vordergrund gerückt und Fans der üblichen zeitgenössischen Vampirstreifen dürfen sich über blutige Szenen freuen.

    Doch hier kommt das Problem: Das Original ist vor allem wegen seiner emotionalen Aufladung so beliebt - und selbige geht "Let Me In" nahezu komplett ab. Die meisten Charaktere, bis auf einen, fühlen sich seelenlos und nahezu unerträglich entmenschlicht an. Ausgerechnet Owen, mit dem der Zuschauer eigentlich Mitleid haben sollte, kommt hier als derartig schwach und willenlos 'rüber, dass ich nichts als Verachtung für ihn empfinden konnte
    Spoiler:
    und seine Versklavung am Ende die einzige mögliche Alternative zum Tod für ihn schien. Das wiederum verwandelte die Geschichte für mich in eine unfreiwillige, verdammt ekelhafte Allegorie über Herren- und Untermenschen, was so wohl kaum die Intention des Autors gewesen sein dürfte
    .

    Nichts Gutes gibt es leider auch über den Soundtrack zu vermelden - es ist das übliche Klischeegedudel, das man aus zig Horrorfilmen kennt. Nichts Unterträgliches, aber auch nichts, was besonders erwähnenswert wäre.


    Wenn man besagte Kritikpunkte ignoriert und den Film für sich nimmt, bekommt man definitiv einen verdammt guten Genrevertreter. Wenn man ihn an den Maßstäben des Originals misst, ist er allerdings ein ziemlicher Schlag in die Fresse.

    Von daher, zwei Wertungen:

    8/10 Reißzähnen für den Unterhaltungswert,

    3/10 Blutspritzern für die Charaktere.

  9. #5029
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    Bronson

    In your face!
    Michael Peterson kann nichts, will aber berühmt werden. Ausgerechnet das Gefängnis bietet ihm dazu die Möglichkeit. Denn etwas kann Michael doch: Leute verprügeln, besonders gerne Wärter und Polizisten. Also erarbeitet sich Michael im Knast den zweifelhaften Ruf, Englans gefährlichster Häftling zu sein. Ein Leben in Glanz und Glorie bringt das nicht, wohl aber Respekt. Und einen neuen Namen: Charles Bronson.

    Bronson beruht auf einer "wahren Geschichte". Und wie bei den meisten Filmen, die auf einer "wahren Geschichte" beruhen, darf man auch hier oft genug an der Wahrheit zweifeln. Künstlerische Freiheit nennt man das.
    In einigen Kritiken hieß es vorab, Bronson sei der neue Clockwork Orange. Das ist eindeutig zu hoch gegriffen, zeigt aber, in welche Richtung es geht. So war Kubricks Klassiker an vielen Stellen sicherlich Vorbild, nicht nur bei der plakativen Darstellung roher Gewalt. Klassische Musik spielt ein große Rolle, ebenso wie Kunst und Sex. Peterson inszeniert sich selbst als Superstar. Ebenso inszeniert er den Film. Er steht auf der Theaterbühne vor großem Publikum, erzählt sein Leben, trägt dabei wechselnde Masken. Diese surrealen Momente machen Bronson zunächst aufregend, frisch und anders, nutzen sich aber leider schnell ab. Generell hat der Film mit einigen Längen zu kämpfen. Nach dem schwungvollen Beginn über Petersons Jugend verliert Bronson immer mehr an Fahrt. Das Ende schleppt sich dann im Schneckentempo dahin.
    Abwechslung bietet Petersons Aufenthalt im Irrenhaus. Dies sind auch die einzigen Momente, in denen der Antiheld menschlich erscheint.

    Die Figur Bronson ist durchaus reizvoll und wird von Tom Hardy sehr gut gespielt. Sämtliche Versuche, dem Schläger Tiefe zu verleihen, schlagen aber fehl. Ihm wird künstlerischer Feinsinn attestiert, aber letztendlich enden alle seine Aktionen doch nur in wüsten Prügeleien. Er bleibt ein dummer Klotz, auch wenn er gut malen kann. Bronson ist eben doch nicht Alex aus Clockwork Orange.

    Bronson ist ein interessant inszenierter Film mit vielen guten Ideen und einer markanten Hauptfigur, krankt aber an Längen und einer zunehmenden Abnutzung der Stilelemente.

    6,5/10

  10. #5030
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    Die komplette erste Staffel von Das Haus Anubis.
    Dachte die Serie ist schlecht, war sie aber nicht. Klar. Die Schauspieler sind mit ihren jungen Jahren nicht die besten, aber es war teilweise schon spannend und so

    8/10

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